Wieder-Eingewöhnung in der Krippe – wie Peers helfen

„Schön, dass du wieder da bist“

Noura ist skeptisch. Sie geht zum ersten Mal nach Wochen wieder in die Krippe. Zum Glück ist Felix da. Wie die Wieder-Eingewöhnung in der Krippe gelingt, wie Peers dabei helfen und welche Rolle ein Geschichten-Säckchen spielt, lesen Sie hier.

Text: Amna Akeela
Bild: ©FatCamera/GettyImages

Heute geht Noura zum ersten Mal wieder in die Kita. Die Erzieherin wartet an der Tür und begrüßt die knapp Dreijährige: „Schön, dass du wieder da bist“. Ihre Mutter hatte ihr erklärt, dass sie nicht mit reinkommen dürfe. Noura möchte das gerne, sie ist noch unsicher. Die Erzieherin sagt Noura, welche Kinder schon da sind und dass sie erwartet wird. Nun wird Noura doch ein wenig neugierig. Sie verabschiedet sich von ihrer Mutter und geht mit der Erzieherin rein.

Noura setzt sich auf ihren Garderobenplatz und beobachtet, was vor sich geht. Hat sich Corona hier irgendwo versteckt? Als die anderen Kinder sie einladen mitzuspielen, zögert sie. Da kommt die Erzieherin mit Felix, der heute auch den ersten Tag wieder da ist. Noura ist erleichtert, dass sie nicht die einzig Neue in der Kita ist. Mit Felix spielt sie besonders gern. Die Erzieherin macht mit den beiden und einigen anderen Kindern einen kleinen Rundgang. Die Kinder, die seit einigen Tagen oder Wochen wieder in der Kita sind, erklären, welche neuen Regeln es gibt. Und sie sagen, was geblieben ist wie vorher. Jetzt kann Noura sich langsam auf das Spiel mit den anderen einlassen.

Was ist hier passiert? Die vertraute Kindergruppe ist für Noura wichtig, um sich auf das Wieder-in-der-Kita-Sein einzustellen. Begleitet wird sie von einer pädagogischen Fachkraft, die das Zögern und die Ängste des Kindes wahrnimmt, und die Kindergruppe zusammenführt. Wenn Peers Veränderungen und neue Regeln erklären, vermittelt das dem Kind, dass die anderen schon sicher mit der Situation umgehen. So entsteht ein vertrauter Rahmen. Die Kinder lassen sich gemeinsam auf das Neue ein und führen Bekanntes weiter. Das ist bei Krippenkindern nicht anders alsbei den etwas älteren Kindern.

Eingewöhnung: Warum nicht telefonieren?

Das Einbeziehen der Peergroup zur Wieder-Eingewöhnung in der Krippe oder Kita muss gut vorbereitet sein. Aktuell kommen die Kinder –meist nach Alter gestaffelt – wieder in der Kita. Wichtig ist, dass Sie als Leiterin den Überblick haben: Welche Kinder kommen wann in welche Gruppe. Optimal ist, die Kinder in ihren ursprünglichen Räumen mit den ihnen vertrauten Fachkräften zu betreuen. Hier kennen sie sich aus und finden sich selbst wieder. Falls das nicht möglich ist, können zum Beispiel Werke des Kindes oder Fotos aus der Vor-Corona-Zeit in den Räumen als Anknüpfungspunkte ausgestellt werden. Das hilft dem Kind, mit der fremden Umgebung vertraut zu werden.

Gemeinsam mit Ihrem Team überlegen Sie, welche Kinder vor der Krise gut miteinander im Kontakt waren und welche Fachkraft ihnen wichtig war. Wenn ein neues Kind ankommt, ist es sinnvoll, wenn eine vertraute Person oder ein, zwei andere Kinder dieses begrüßen. Das hilft dem neuen Kind, sich zurecht zu finden.

In einem Telefonat im Vorfeld können Sie besprechen, wie sich das Kind zu Hause verhalten hat und ob es Corona-Erkrankungen oder sogar Todesfälle im engeren Umfeld gab, die das Kind verarbeitet. Gleichzeitig informieren Sie, welche Maßnahmen in der Kita zu beachten sind und wie die ersten Tage gestaltet werden. Das kann eine Fachkraft mit gutem Bezug zum Kind übernehmen und vielleicht sogar mit ihm selbst sprechen, um es auf das Wiederkommen vorzubereiten. Die Botschaft: Wir freuen uns auf dich. Wir erwarten dich schon, weil du uns und den anderen Kindern wichtig bist. Dabei gern die Namen der Kinder benennen. So können Sie anhand der Reaktionen des Kindes vielleicht schon erkennen, wen das Kind besonders vermisst hat.

In der Gruppe der Kinder, die bereits in der Kita sind, besprechen Sie, wer die nächsten Tage wiederkommt. Sicher finden sich einige bereit, das Kind mit der Fachkraft zusammen zu begrüßen und ihm auf einem gemeinsamen Rundgang alles zu zeigen, was verändert ist. Sie können so auch erklären, welche Regeln dazugekommen sind und womit sie sich gerade beschäftigen.

Geschichten aus dem Säckchen

Viele, besonders jüngere Kinder werden sich nach ihrer Ankunft stark an den Fachkräften orientieren und in deren Nähe bleiben. Das kann gut genutzt werden, um Kleingruppen zu initiieren und mit den Kindern ins Gespräch zu gehen. Da die Kinder in der Zeit zu Hause wenig Kontakt zueinander hatten und unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben, stärkt ein Austausch die Verbundenheit der Kinder.

Das kann zum Beispiel durch das gemeinsame Erfinden von Geschichten geschehen. Jedes Kind sucht sich eine Figur oder einen Gegenstand aus. Nacheinander diktieren sie der Fachkraft einen Teil der Geschichte und ergänzen sie weiter. Die Geschichte kleben Sie dann mit Fotos der Kinder und der Requisiten auf ein Plakat, das aufgehängt wird. Oder die Materialien landen – zusammen mit dem Text – in einer kleinen Tasche und werden als Geschichten-Säckchen immer wieder erzählt. Nebenbei erfahren die Fachkräfte viel über die emotionale Situation der einzelnen Kinder und über die Themen, die sie gerade beschäftigen.

Bekannte Rituale, wie der Morgenkreis, vertraute Abläufe und Übergangssignale vermitteln den Kindern ebenfalls Orientierung und Sicherheit.

Die Kinder an dem Punkt abzuholen, an dem sie stehen, ist gerade in der Phase der schrittweisen Rückkehr zur Regelbetreuung wichtig. Pädagogische Fachkräfte begleiten und unterstützen diese Prozesse einfühlsam. Sie planen dafür Zeit ein und führen die Kinder zusammen. In der Gemeinschaft Gleichaltriger gelingt es den Kindern, wieder gut anzukommen im Kita-Alltag.Die Erfahrungen damit können für zukünftige reguläre Eingewöhnungen weitergedacht werden.

Amna Akeela ist Diplom-Pädagogin und war viele Jahre Kita-Leiterin. Jetzt arbeitet sie als Fachberaterin Sprach-Kitas, freiberufliche Fortbildungsreferentin und als Prozessbegleiterin Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung (Fachstelle Kinderwelten).

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