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Wie man mit Kindern über Corona spricht

Wie man mit Kindern über Corona spricht

Geschlossene Kitas, kaum Kontakt zu Freunden und gesperrte Spielplätze: Die Corona-Krise und ihre Auswirkungen verändern auch das Leben von Kindern massiv. Wie Erwachsene Kinder in dieser Ausnahmesituation unterstützen können und warum es gerade jetzt so wichtig ist, kindliche Fragen ernst zu nehmen, aber auch selbst nachzufragen, weiß unser Autor.

Auto: Christian Huber (Erzieher und Theologe)
Bild: ©Michael H/GettyImages

„Du als Erzieher, der auch noch Theologe ist, müsstest doch bestimmt ein paar Tipps haben, wie das alles mit Kindern thematisiert werden soll!“ Da ich diesen Satz in den letzten Tagen immer wieder zu hören bekomme, versuche ich einige Gedanken hierzu zu formulieren. Dabei ist mir völlig klar, dass es kein Patentrezept und gewiss auch andere Meinungen dazu gibt. Keineswegs erhebe ich den Anspruch auf Vollständigkeit. Zu diesem Thema könnte man ganze Bücher schreiben. Wie bereits erwähnt, möchte ich lediglich ein paar Aspekte, die mit dem Thema zu tun haben, streifen. Wenn das einen Beitrag dazu leisten kann, dass wir alle diese schwierigen Zeiten besser bewältigen können, würde ich mich natürlich freuen.

Eltern fragen sich, ob das Thema Corona überhaupt angesprochen werden soll, ob nicht unnötige Ängste geweckt und ausgelöst werden könnten. „Warum ist der Kindergarten geschlossen?“, „Warum müssen wir zuhause bleiben?“ – mit diesen oder ähnlichen Fragen sehen sich Mütter und Väter, vielleicht auch große Geschwister, dieser Tage konfrontiert. Unsere Jüngsten nehmen selbstverständlich wahr, dass etwas anders ist in ihrer gewohnten Umgebung, dass Abläufe nicht mehr wie gehabt sind und die Stimmung eventuell etwas gedrückt ist. Spätestens hier erübrigt sich die Überlegung, ob das Thema überhaupt Raum bekommen soll. Unsere Kinder sind natürlich irritiert, weil sie ihre Freunde und Großeltern plötzlich nicht mehr treffen und nicht mehr zum Spielplatz gehen können. Kinder stellen Fragen, meist gerade heraus, so wie es ihnen eben auf dem Herzen liegt – und das in Zeiten, in denen wir Erwachsene selbst Fragen stellen und allzu oft keine passenden Antworten finden. Gerade jetzt, wo Homeoffice oder ähnliches nötig ist, kann das sehr schwerfallen. Jedoch ist die Tatsache, dass die Kinder ihre Fragen offen formulieren ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass eine offene und vertrauliche Gesprächsbasis vorherrscht, die für Kinder eine große Unterstützung darstellt.

Ein ganz wichtiger und zentraler Punkt im Zusammenhang mit dem Durchstehen schwerer Zeiten und dem Begleiten von Kindern und Jugendlichen dabei ist die eigene Verfassung. Nervosität, Besorgtheit, Angst und all diese Gefühle, die in Zeiten einer Bedrohung normal und nur allzu menschlich sind, übertragen sich auf unsere Kinder. Das passiert von allein und ist bis zu einem gewissen Grad völlig normal. Kinder weisen oft eine wesentlich höhere Resilienz, also Widerstandsfähigkeit, auf, als wir es ihnen zutrauen würden. Sie sind keine kleinen Erwachsenen, sondern sehen die Welt mit ganz eigenen Augen und verarbeiten Eindrücke auch unter anderen Gesichtspunkten als Erwachsene. So wie wir entwickeln auch Kinder ihre eigenen Bewältigungsstrategien und Bewältigungssysteme.

Wir alle sind in einem Ausnahmezustand. Dinge des Alltags sind nun riskant und müssen noch besser organisiert werden als bisher. Selbst vermeintlich einfachste Dinge, wie der Wocheneinkauf, sind derzeit unter Umständen nicht mehr ohne weiteres zu erledigen. Immer neue schockierende Zahlen in den Nachrichten lassen vielen von uns den Atem stocken. Und für manche ist es gar nicht so einfach, das plötzliche Mehr an Zeit auszuhalten. Die persönliche Auseinandersetzung mit Themen und Fragen, die dadurch in uns aufkommen, kann schwer und schmerzhaft sein; sie kann aber auch zu einem neuen Innerlich-aufgeräumt-Sein führen. Und zugleich: Für Kinder sind ihre Eltern und sonstige wichtige Bezugspersonen der sichere Hafen, der Fels in der Brandung. Daher halte ich es für außerordentlich wichtig, dass Vater und Mutter selbst die Ansprechpartner für solch ein Thema sind, sie sollten solch ein Thema nicht ausschließlich Medien oder anderen überlassen. Wenn die Erwachsenen Sicherheit ausstrahlen, werden auch die Kinder ruhiger mit der Situation umgehen können. Hier können Gespräche oder vor allem auch Videotelefonate für uns selbst hilfreich sein, ebenso das Dosieren des Nachrichtenkonsums, um nicht zum Getriebenen ständig aufkommender Breaking News zu werden.

Nun, wie aber kann ein solches Gespräch entstehen? Ich halte es für das Beste zu warten, bis die Kinder Fragen stellen. Fordern wir unsere Kinder nicht mit Worten, die sie gar nicht haben wollten. Unsere persönlichen Gedanken und Sorgen sind selten die der Kinder. Sobald die Kinder ihre Fragen stellen, verdienen sie eine ehrliche Antwort, die sie dennoch nicht überfordert. Kinder spüren genau, ob ihr Gegenüber kongruent ist, das heißt, ob das Gesagte mit dem Tun und der Wirklichkeit übereinstimmt. Eine Aussage wie „Das ist alles nicht so schlimm“, die das Kind beruhigen soll, wird vielleicht nicht geglaubt und kann Ängste auslösen oder verstärken, weil sich die Kinder fragen: Warum sagt man mir nicht die Wahrheit? Meiner Erfahrung nach können Kinder mit einem „Im Moment sind viele Menschen krank, aber wir passen gut aufeinander auf“ oder ähnlichem besser umgehen. Als Erwachsener muss man nicht immer eine Antwort parat haben. Oft verbergen sich hinter den Fragen der Kinder Vorstellungen, die es wert sind, entdeckt zu werden. Bevor recherchiert wird, wie der Virus aussieht, könnten Eltern auch fragen: Wie stellst du dir den Virus vor? So kommen Ängste ans Licht und können besprochen werden. Anschließend kann gemeinsam recherchiert werden. Hier muss noch mal erwähnt werden: Kinder sind nicht alle gleich. Eltern kennen ihre Kinder am besten und wissen, was sie ihnen zumuten können.

Ein guter Weg, um mit Kindern über das Thema Coronavirus ins Gespräch zu kommen, kann das Arrangieren einer entsprechenden (und ohnehin notwendigen) Situation sein, wie etwa das Besprechen besonderer Hygieneregeln. Es kann hilfreich sein, dabei den Virus zu veranschaulichen und greifbarer zu machen. Ähnlich wie bei „Karius und Baktus“, die vielen von uns noch aus dem Bereich Zahnprophylaxe bekannt sind. Der Kampf der Guten und Bösen ist Grundlage zahlreicher Kinderbücher und Fernsehserien, die von Kindern konsumiert werden und somit kein Neuland für die meisten Kinder. Selbstverständlich ist es wichtig, die Mitte zwischen Thematisieren und Angstmachen zu finden. Wie viele Erwachsene, so können natürlich auch Kinder vorübergehend Angst vor einer Infektion oder vor dem Verlust eines Angehörigen entwickeln. Angst ist zunächst nichts Schlechtes. Jeder Mensch hat Ängste, sie sind oftmals lebensrettend. Das lateinische „angustus“ bedeutet „eng“, was den Zustand gut beschreibt, der bei Angst wahrnehmbar ist. Hierbei ist eines besonders wichtig: Die Angst des Kindes nicht zu ignorieren. Selbst ein gut gemeintes „Jetzt stell dich nicht so an!“ führt nicht dazu, dass ein Kind seine Angst ablegen kann, sondern vielmehr dazu, dass zur Angst noch ein „Etwas stimmt nicht mit mir“ hinzukommt.

Wenn wir Angst haben, fühlen wir uns wackelig, man könnte es mit einer wankenden Brücke vergleichen. Wonach sehnen wir uns, wenn wir kurz in diesem Bild bleiben? Richtig, nach einem Geländer, das Sicherheit und Schutz vor dem Absturz bietet. Vertrauensvolles Sprechen, möglicherweise anhand eines Bildes, das das Kind gemalt hat, kann diese Halt gebende Funktion erfüllen. Auch Schutzobjekte wie zum Beispiel ein Angstfresserchen oder ein Schutzengelchen können sehr hilfreich sein. Das Basteln eines Angstfresserchens kann zugleich eine schöne Möglichkeit sein, die Zeit, die nun zuhause verbracht werden muss, zu füllen und zu nutzen. Darüber hinaus gibt es im Internet viele Angebote, die für sämtliche Altersstufen Ideen und Tipps zur Tagesgestaltung bereithalten. Keine Frage: Niemand hätte sich solch eine Situation gewünscht. Und trotzdem liegt es nun bei uns, das Beste daraus zu machen. Niemand wird die Situation durch Zorn und sich Aufbäumen ändern. Nutzen wir also die unfreiwillig gewonnene Zeit, so gut es uns möglich ist. Gemeinsames Basteln, Malen, gemeinsames Hören einer Geschichte, gemeinsames Kochen, können Möglichkeiten sein, sich von Tag zu Tag zu bringen. Vielleicht plagen auch Sorgen um Eltern oder Großeltern. Vielleicht hilft es allen, zusammen eine Sprachnachricht aufzunehmen oder ein Tagebuch zum Anhören?

Empfehlenswert ist es auch, die Situation in bestehende Rituale einzubinden. Gibt es beispielsweise ein Ritual vor dem Schlafengehen, wie zum Beispiel ein Gebet? Kinder sind sehr empfänglich für Rituale, da sie dem Gefühlten Ausdruck verleihen. Gleich, ob Familien religiös sind oder nicht: Das gemeinsame Entzünden einer Kerze kann allen guttun und dabei helfen, sich zu fokussieren. Eine gute Möglichkeit, Kindern Angst zu nehmen und ihnen in Form eines Perspektivenwechsels neue Zugänge zu sich selbst zu öffnen, ist das gemeinsame Erarbeiten von Geschichten. Naturgemäß haben Kinder eine Vorliebe für Heldengeschichten. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, je nach Vorliebe der Kinder. Für religiöse Familien, oder Menschen, die gegenüber Gott in irgendeiner Form offen sind, eignen sich natürlich biblische Geschichten. Meiner Erfahrung nach sind Kinder sehr empfänglich für einen Jesus, der Kranke heilt und den Sturm in die Schranken weisen kann. Der bereits erwähnte Kampf von Gut und Böse kommt wieder zum Tragen. Und wenn wir ehrlich sind, stellen wir fest, dass dies derzeit wohl aktueller denn je ist. Im Markusevangelium beispielsweise erfahren wir Jesus als den Retter, der sogar den Sturm, der alles zu zerstören droht, besiegt (Markus 4,35-41). Hier können wir unserer Fantasie freien Lauf lassen. Wie mögen sich die Freunde Jesu gefühlt haben? Ein starker Sturm zieht auf, alles wackelt und das Schiff droht unterzugehen. Angst vor der Bedrohung macht sich breit. Und Jesus? Er schläft, als würde ihn das alles nichts angehen. Tut es auch nicht, Jesus steht über den Dingen. Ja, er ist sogar in der Lage, dem Sturm Befehle zu geben. Wie schön wäre es, wenn auch heute einer dem Virus einfach einen Befehl geben würde. Dieser Jesus, der die Macht hat, einem Sturm etwas zu befehlen, ist derselbe, der sich ganz klein macht und uns zusagt, bei uns zu sein, egal was da komme. Es ist auch derselbe Jesus, der im Lukasevangelium trotz des Gebrülls der Menge die Stimme des alten, blinden Bettlers Bartimäus (Lukas 18, 35-43) hört und auf ihn wartet. Wie groß muss das Vertrauen des Bartimäus gewesen sein, um sich das zu trauen, um dem Geschimpfe der Leute zum Trotz nach Jesus zu rufen? Gewiss hatte auch er Angst. Doch Jesus zeigt ihm, dass auch er wertvoll ist, so wie alle Menschen wertvoll sind für Gott. Und nicht nur das: Er schenkt ihm sein Augenlicht zurück.

Kinder haben in der Regel ein stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und können gerade dieser Wundergeschichte viel abgewinnen. Dies sind jedoch nur zwei kleine Beispiele, bestimmt gibt es im ein oder anderen Bücherregal eine Kinderbibel, die Wundergeschichten auf kindgerechte Weise aufbereitet beinhaltet. Am schönsten ist es für die Kinder natürlich, wenn man die Geschichten mit Details ausmalt (Landschaft, Gefühle) und frei nacherzählt. Wenn man eine solche Geschichte hinterher zusammen bespricht, beginnen Kinder manchmal, eine neue Perspektive einzunehmen und beispielsweise in der Person eines Freundes oder einer Freundin von Jesu auf dem Schiff zu erzählen, wie er oder sie sich gefühlt hätte.

Ich wünsche uns allen, dass wir diese Durststrecke so gut wie möglich hinter uns bringen und hoffe, Ihnen hier Anregungen gegeben zu haben.

Corona, Coronakrise, Erzieherin

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