Frau sitzt am Fenster und schreibt Briefe

Jetzt ist die Zeit, um zur Ruhe zu kommen – Positive Aspekte der Corona-Krise

Durchatmen und innehalten können – auch die positiven Aspekte der Corona-Krise werden im Kindergarten St. Franziskus in Benningen wahrgenommen. Kita-Leiterin Saskia Franz erzählt, warum dieses Entschleunigen wichtig ist und wie ein wöchentlicher Postdienst die Beziehung zu den Kindern stärkt.

Protokoll: Florian Rotberg, TPS-Redaktion
Bild: ©Alexandra Iakovleva/GettyImages

„Wir haben in den vergangenen beiden Jahren so viel Fortschritt und Veränderung in der Einrichtung erlebt, dass uns die erzwungene Pause momentan wirklich auch guttut. Jetzt haben wir Zeit, innezuhalten und die Erfahrungen qualitativ aufzuarbeiten, können Dinge ausdiskutieren und müssen nicht von einem Projekt ins nächste stürzen. Durch diese Phase schaffen wir uns Struktur, Klarheit und Raum für Neues, und wir können Altes in Ruhe abschließen. Und das tut uns einfach unglaublich gut.

Das sieht natürlichkaum jemand, aber daher es ist so wichtig, dass man es mal sagt. Natürlich ist es blöd und es tut uns Leid für die Kinder, und wir freuen uns alle, wenn wir ein Kindergartenkind von weitem sehen und ihm zuwinken können. Auch wenn wir keine Notbetreuung anbieten, da die Eltern unserer Kinder nicht in systemrelevanten Berufen arbeiten, machen wir viele Angebote für unsere Kita-Kinder. Nachdem klar war, dass die Kitas schließen, war unser erster Gedanke: Wie halten wir den Kontakt zu den Kindern und was ist uns dabei wichtig?

Daher haben wir gleich in der ersten Woche die Kindergarten-Post entwickelt. Eigentlich sind wir in der Einrichtung sehr technikaffin, in diesem Fall war es uns aber wichtig, auf Technik zu verzichten. Denn wir wollen, dass die Kinder echte Post im Briefkasten haben, ihn öffnen und wirklich etwas herausholen können. Für jede Woche haben wir uns dazu ein Oberthema überlegt wie beispielsweise den Frühling. Jeder Umschlag enthält immer eine Geschichte, etwas zum Basteln, ein Rezept und für die älteren Kinder eine Denkaufgabe. Es sind ganz unterschiedliche Sachen und immer etwas Besonderes darin enthalten. In der ersten Woche hatten wir Samen dazu gelegt, damit die Kinder selbst Blumen aussäen können. Insgesamt haben wir nach den Altersstufen geschaut und die Briefe daran angepasst.

Montags wird bei uns die Post immer ausgetragen. Dazu haben wir das Einzugsgebiet unserer Kita in sieben Laufbereiche aufgeteilt und vergeben dafür Termine. Die Eltern können sich mit ihren Kindern als Postausträgerbewerben. Und der Job ist heiß begehrt. In der Kita steht dann zu einer bestimmten Zeit eine Kiste mit der Post und einer Adressliste für die Eltern bereit. Pro Laufgebiet sind das dann ungefähr zehn Umschläge, die die Kinder zu verteilen. Der Spaziergang mit der Familie hat dadurch wieder ein konkretes Ziel. Seit der zweiten Woche liegt jedem Brief nun noch ein persönliches Anschreiben bei, da ein Kind das vermisst hatte. Kinder, die in dieser Zeit Geburtstag haben, bekommen noch mal gesondert Geburtstagspost mit einer Karte und einem kleinen Geschenk.

Im E-Mail-Verteiler mit den Eltern, über den die Aktion koordiniert wird, haben wir darum gebeten, dass die Eltern uns Rückmeldungen schicken. Nun erhalten wir jeden Tag viele tolle Fotos, die wir dann auf einem großen Aushang präsentieren. Wenn Kinder dann an der Einrichtung vorbeilaufen, sehen sie, was die anderen Kinder mit der Kindergarten-Post machen. Der wertschätzende Umgang ist uns sehr wichtig, und daher ist das eine schöne Möglichkeit, wie wir den Kontakt mit Kindern und auch Eltern aufrechterhalten können.

Ich finde es schade, dass es auch Einrichtungen gibt, die diese Zeit nicht als Chance für sich begreifen, weder mit Kindern noch Familien in Kontakt stehen oder die Zeit als Team nutzen. Meiner Meinung nach ist jetzt unsere Zeit, um berufspolitisch zu arbeiten. Wir möchten als Erzieherinnen von der Gesellschaft anerkannt werden, es wird immer wieder über die Qualität in der Kindertagesbetreuung gesprochen und daher ist für mich jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem wir Erzieherinnen zeigen können, dass wir mehr können als Basteln und Portfolioarbeit.“

Saskia Franz ist Leiterin des Kindergarten St. Franziskus in Benningen. Sie ist Krippenpädagogin und Fachkraft für Reggio-Pädagogik.

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