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Wie digitaler Unterricht gelingt – Die Ausbildung in der Krise

Die Schule blieb wegen Corona lange geschlossen. Das Praktikum steht bevor. Und die Auszubildenden treibt die Frage um, wie sie sich in der Krise professionell verhalten sollen. Zwei Lehrkräfte berichten, wie es Ihnen gelingt, ihre Schülerinnen digital zu begleiten.

Text: Alexandra Gercek und Maurice Andree
Bild: ©cottoncandy1/GettyImages

Die Fachschulen waren geschlossen, die Auszubildenden zuhause oder in der Kita. So sah die Situation in den ersten Wochen der Corona-Krise aus. Wir konnten unsere Schülerinnen und Schüler nur telefonisch erreichen. In den Gesprächen zeigte sich, dass sie vor allem eine Frage umtrieb: Wie kann ich mich in dieser Krisenzeit professionell verhalten?

Das sechswöchige Blockpraktikum stand bevor, und wir entschieden, eine Unterrichtseinheit zu entwickeln, die die Frage nach dem Professionsverständnis in den Mittelpunkt stellt. Wir machten aus der Not eine Tugend und setzten auf Blended Learning, ein Lehr- und Lernarrangement aus selbstregulierten und angeleiteten Lerneinheiten. Blended Learning bedeutet: vermischtes Lernen. Das Konzept verbindet digitale Lernformen mit den sozialen Aspekten der Face-to-Face-Kommunikation und dem praktischen Lernen.

Wir wollten die Auszubildenden individuell fördern und begleiten. Drei Aspekte waren uns besonders wichtig: Zum einen wollten wir an konkreten Praxissituationen anknüpfen. Zum anderen war es uns ein Anliegen, dass die Auszubildenden sich interessengeleitet mit Themen beschäftigen, die sich aus den jeweiligen Krisensituationen in den Einrichtungen ergaben. Und schließlich sollte das Lernarrangement einen ganzheitlichen Blick auf die pädagogische Arbeit in Kindertagesstätten werfen. Dazu gehören zum Beispiel Elternarbeit, Teamarbeit und Bindungsarbeit. Ein reflektiertes Professionsverständnis berührt schließlich alle Teilbereiche.

Einfache Werkzeuge klug eingesetzt

Präsenzunterricht war nicht möglich. Deshalb entschieden wir uns, drei einfache digitale Werkzeuge einzusetzen: Videokonferenzen, Etherpad und Padlet. Zur Vorbereitung des Blockpraktikums sollten die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen ihre Einschätzung der aktuellen Situation in den Kitas formulieren. Didaktisch formuliert heißt das: Handlungssituationen beschreiben. Dies erfolgte über ein Etherpad, ein online gestütztes Schreibprogramm, in dem mehrere Benutzer gleichzeitig das Dokument bearbeiten können.

Nach der ersten Blockwoche fand eine erste Videokonferenz statt. Die Auszubildenden überlegten: Wie sind die Begebenheiten in der Kita? Wo lagen wir in unserer Einschätzung richtig? Wo haben wir die Situation anders eingeschätzt? „Ich hatte nicht damit gerechnet“, sagte eine Schülerin, „dass die Erzieherinnen keine Angst vor Ansteckung haben – und das trotz fehlender Schutzkleidung.“ Die zuvor formulierten Handlungssituationen wurden dann von den Auszubildenden an die tatsächlichen Begebenheiten ihrer Praxisstelle angepasst.

In dieser Videokonferenz stellten wir den Lernenden auch unser Padlet vor (siehe Bild). Ein Padlet ist ein virtuelles Regal, in dem Texte aus Fachzeitschriften zu verschiedenen Teilaspekten der Corona-Krise stehen. Aufgabe der Auszubildenden war es, das Padlet zu durchstöbern und sich interessengeleitet mit den Materialien auseinanderzusetzen.

In einer zweiten Videokonferenz in der dritten Blockwoche fanden die Auszubildenden sich in Kleingruppen zu frei gewählten Themen zusammen. Themen waren zum Beispiel Elternkontakt, Hygieneregeln, Kontakt halten, Tagesstrukturen und Vorschulkinder. Auch die Frage, wie Kinder mit Corona umgehen, war ein solches Thema. Innerhalb dieser Gruppen tauschten sich die Schülerinnen und Schüler über die gelesenen Materialien aus und entwickelten für das gewählte Thema eigene pädagogische Handlungsempfehlungen. Diese wurde anschließend allen Auszubildenden in Form einer Ideenbörse zur Verfügung gestellt.

Auf der Grundlage dieser Handlungsempfehlungen sollten die Auszubildenden nun in den verbleibenden drei Wochen des Blockpraktikums eine pädagogische Handlung in ihren Praxisstellen bezogen auf die aktuelle Situation durchführen. Diese pädagogische Handlung wurde dann zum Abschluss des Blockpraktikums gemeinsam im Klassenverband und mit der betreuenden Praxislehrkraft in einer Videokonferenz reflektiert. Die individuellen Entwicklungspotenziale sowie Konsequenzen für das eigene Professionsverständnis wurden daraus abgeleitet. „Durch die Aufsätze und die Handlungsideen“, sagte eine Schülerin, wurde mir erst bewusst, wie vielfältig die Möglichkeiten sind, mit den Kindern trotz der Distanz zu arbeiten. Die Ideen ließen viel Spielraum für individuelle Bezüge. So konnten ich etwas finden, das den pädagogischen Kontakt pflegt, das aber auch zu mir als Person passt.“

Was die Auszubildenden zu diesem Konzept sagen

Die Auszubildenden haben zum Ende des Blockpraktikums ein Online-Feedback zum Unterrichtskonzept abgegeben, aus dem deutlich hervorging, dass die virtuelle Begleitung nicht nur unterstützend für die Lernenden war, sondern einen großen Beitrag zur Bewältigung der individuellen Problemstellungen, die in den Einrichtungen vorzufinden waren, leistete.

Des Weiteren haben die Auszubildenden die ausgewogene didaktische Konzeption positiv hervorgehoben, die zum einen den stetigen Austausch mit der Gesamt- oder Kleingruppe ermöglichte, der durch die virtuell angelegten Unterrichteinheiten gegeben war, und zum anderen selbstregulierte Elemente aufwies, die zum selbstständigen Handeln und Reflektieren anregten. Das Padlet wurde als sehr informativ, umfangreich und anschaulich bewertet. Es greife die sozialpädagogischen Problematiken in den Einrichtungen während der Corona-Krise sehr gut auf. Eine Schülerin brachte es auf den Punkt: „Die Mischung macht ́s. Wir hatten tolle Texte und viel Gelegenheit, gemeinsam nachzudenken. Und dass wir uns dabei gesehen haben, machte es besonders intensiv.“ Und ein Schüler ergänzte: „Ich finde es besonders gut, dass wir aktuelle Literatur zu den Themengebieten der Corona-Pandemie erhalten haben. Außerdem finde ich die Kombination aus den selbsterarbeiteten Aufgaben und dem gemeinsamen intensiven Austausch in den Videokonferenzen sehr gelungen.“

Die aktuelle Krise hat auch uns Lehrerinnen und Lehrer an den Fachschulen herausgefordert. Wir wollten Unterricht digital planen und durchführen und digitale Möglichkeiten zur Reflexion bieten, so dass vor allem Handlungskompetenzen, die ausschlaggebend sind für den Erzieherberuf, gestärkt und entwickelt werden. Die abschließende Reflexion seitens der Lernenden und Lehrenden hat gezeigt, dass dies durch das gemeinsame engagierte Agieren erreicht wurde.

Alexandra Gercek und Maurice Andree arbeiten als Lehrkräfte an der Fachschule für Sozialpädagogik des Alice-Salomon-Berufskollegs in Bochum und bilden dort Erzieherinnen und Erzieher aus.

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