Zurück in die Kita - ein gelingender Neustart nach den Kita-Schließungen

Infos für Kitaleitungen

Antworten von: Marion Bischoff

Wie gehe ich mit Elternforderungen um? Wie kann ich die Eltern für unsere Situation beim Restart sensibilisieren?

Ein Patentrezept kann es für diese Frage leider nicht geben, denn so verschieden die Forderungen sind, so unterschiedlich „ticken“ auch die Eltern. Daher würde ich Ihnen in erster Linie empfehlen: Hören Sie, was „zwischen den Zeilen“ gesagt wird. Wo sind bei Eltern Existenzängste spürbar? Hat vielleicht jemand aufgrund der Krise seinen sicher geglaubten Job verloren? Nehmen Sie sich in den ersten Tagen und Wochen viel Zeit für Elterngespräche, planen Sie diese möglichst für alle Teammitglieder in den Dienstplan ein, sodass Sie kurzfristig eine Einladung für die Eltern aussprechen können. Wichtig wäre auch eine Besprechung mit den Elternvertretern einzuberufen, um die Situation zu besprechen und einen gemeinsamen Plan für die kommenden Wochen und Monate zu entwickeln. Hier lohnt es sich, den Träger mit „an Bord“ zu nehmen und auch dessen Wünsche/Forderungen einzubeziehen. Wenn Sie dann alle an einem Tisch sitzen und die verschiedenen Sichtweisen darlegen, finden Sie bestimmt auch einen gemeinsamen Weg zurück in die Normalität.

Letztlich sollten wir alle den Eltern auch entsprechendes Verständnis entgegenbringen, wenn sie ungehalten oder kritisch zurückkehren. Die Ausnahmesituation hat Spuren hinterlassen. Bei Eltern, Kindern, aber auch bei Ihnen und Ihrem Team.

Ich möchte Ihnen daher besonders den Artikel aus Ausgabe 2 von Praxis Kitaleitung zum „aktiven Zuhören“ ans Herz legen. Das kann in dieser Situation sicherlich Türen öffnen.

Wie kann ich den Träger mit in die Verantwortung für Eltern, Kinder und Team nehmen?

Am besten wäre es, der Träger ist sich selbst seiner Verantwortung bewusst. Doch leider ist das – insbesondere bei kleinen Trägern – nicht immer der Fall, und freie Träger handeln natürlich auch aus wirtschaftlichem Interesse. Das gilt es bei allen Besprechungen zu beachten. Wichtig ist, sich an einen Tisch zu setzen und die Situation wirklich aus allen Blickwinkeln zu betrachten. Es kann nur eine Lösung geben, die Kompromisse von allen Seiten beinhaltet. Da ist dann auch der Träger gefragt. Lassen Sie sich auf keinen Fall für alle unschönen Gespräche instrumentalisieren. Signalisieren Sie Ihrem Trägervertreter, dass seine Präsenz und seine klare Haltung jetzt mehr denn je gefragt sind.

Wie gehe ich mit Urlaubsansprüchen meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um?

Grundsätzlich stehen allen Fachkräften ihre Urlaubstage auch weiter uneingeschränkt zu. Sollte also jemand seinen Urlaubsanspruch vor Gericht einklagen, wäre die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter immer im Recht. Hier zeigt sich nun auch das Ergebnis Ihrer Teamführung der vergangenen Monate/Jahre. In einem gut funktionierenden Team gibt es sicherlich immer jemanden, der für den anderen einspringt. Allerdings sollten Sie sich genau überlegen, ob Sie auf Forderungen nach nicht stattfindenden Sommerferien, gestrichenen Fortbildungen usw. ohne Widerrede eingehen. Damit machen Sie sich verwundbar und alle Probleme lasten wieder auf Ihren Schultern. Die Fachkräfte sind unzufrieden, fühlen sich nicht wertgeschätzt und der Träger ist weitgehend außen vor. Positionieren Sie sich klar und beziehen Sie die Einwände Ihrer Fachkräfte immer mit ein, bevor eine solch weitreichende Entscheidung getroffen wird. Denken Sie auch an die Zukunft. Was, wenn es solche Situationen wieder gibt? Wird dann jedes Mal der Urlaubsanspruch der Fachkräfte ausgehebelt? Müssen dann alle Erzieherinnen und Erzieher monatelang unterbesetzt in ihren Gruppen arbeiten, weil es keine festgelegten Schließtage mehr gibt? In kleinen Einrichtungen ist dieses Szenario schlicht undenkbar.

Wie gebe ich meine Erwartungen ans Team weiter?

Auch hier gilt: So stark Sie vor der Krise waren, so werden Sie auch jetzt wahrgenommen und es zeigt sich wieder einmal, wie wichtig eine klare und offene Haltung ist. Zeigen Sie Ihren Fachkräften, was Sie erwarten, indem Sie klare Ansagen machen, Ihre Meinung aussprechen und diese auch von den Erzieherinnen und Erziehern einfordern. Bleiben Sie dabei stets sachlich und denken Sie daran, dass auch die Fachkräfte aus einer absoluten Ausnahmesituation zurückkehren.

Welche Vorbereitungen muss ich für die ersten Tage nach Corona treffen?

Denken Sie an Organisatorisches: Welcher Dienstplan gilt am ersten Tag? Sind Wickelutensilien für die Wickelkinder da? Wer informiert das Catering-Unternehmen? Wie werden die Eltern informiert?

Hier wäre übrigens ein Tag der offenen Tür sehr gut vorstellbar, an dem alle Kinder und Eltern mit Ihnen und Ihrem Team gemeinsam die Rückkehr zur Normalität feiern. In einem solch lockeren Zusammensein bieten sich Gelegenheiten für Gespräche, um vorab die Erwartungshaltung der Eltern abzufragen. Denn eines ist klar: Je länger die Kinder die Kita nicht besucht haben, umso schwerer fällt vielen der Schritt zurück. Hier ist Fingerspitzengefühl von allen Beteiligten gefragt und die Rückkehr für alle auf einmal ist nicht zu stemmen. Es gilt also genau abzuwägen und GEMEINSAM mit den Eltern Lösungsmöglichkeiten zu kreieren, die von allen mitgetragen werden.

Wie können wir ein sinnvolles Rückkehr-Konzept erarbeiten? Wen sollte ich in die Planungen einbeziehen?

Auf jeden Fall sollten alle Erzieherinnen und Erzieher sowie die Eltern einbezogen werden. Doch bei all diesen Gedanken: Vergessen Sie die Kinder nicht. Wie wäre es, in Videoanrufen mit den Kindern die Rückkehr zu besprechen? Fragen Sie die Kinder doch, worauf sie sich freuen und was ihnen besonders gefehlt hat. Sammeln Sie die Ideen und Wünsche der Kinder, besprechen Sie im Team, wie Sie dazu ein passendes Angebot gestalten und was die Eltern beitragen können. Je nachdem, wie Ihre Kindergruppe zusammengesetzt ist, unterscheiden sich die Angebote hier natürlich immens. Haben Sie in den vergangenen Wochen mehrere Kinder eingewöhnt, denen die Trennung von ihren Eltern ohnehin schwerfiel, werden Sie diese Kinder vermutlich neu eingewöhnen müssen. Das ist einerseits natürlich nicht für mehrere Kinder auf einmal möglich, da hierfür gar nicht genügend Personal zur Verfügung steht. Andererseits kann man den Eltern auch keine weiteren wochenlangen Wartezeiten zumuten. Es braucht also ein tragbares und umsetzbares Gesamtkonzept, das allen gerecht wird und bei dem das Wohl der Kinder immer an erster Stelle steht.

Wenn unser Träger die Urlaubsplanung für dieses Jahr korrigiert, Schließtage streicht und Anwesenheitspflicht fordert: Wie kann ich meinem Team trotzdem gerecht werden? Welche Regelungen kann ich intern treffen?

Wichtig ist, dass Ihr Team miteinander spricht. Geben Sie dafür Zeiten im Teamgespräch frei. Es darf auch offen diskutiert werden. Jeder und jede möchte für sich das Beste herausholen und das ist auch legitim. Viele Fachkräfte haben während der vergangenen Wochen einen Balanceakt hingelegt, indem sie die Notbetreuung aufrechterhalten haben, selbst aber auch Kinder zuhause haben, die ebenfalls nicht zu Großeltern oder anderen Verwandten gehen konnten. Umso wichtiger ist es, dem Team nun auch ein Stück weit entgegenzukommen und gemeinsame Lösungsstrategien zu entwickeln. Der ungünstigste Weg ist der, in dem den Fachkräften eine fertige Lösung präsentiert wird.

Was sollten wir in Zukunft anders organisieren, um in ähnlichen Situationen besser vorbereitet zu sein?

Das ist eine sehr individuelle Frage und nicht allgemeingültig zu beantworten. Auf jeden Fall sind Einrichtungen, die bereits über ein Krisenmanagement verfügen, sicher etwas besser auf die Situation vorbereitet gewesen. Andere hingegen sind "ins kalte Wasser geworfen" worden und mussten zusehen, dass sie nicht untergehen. Gestalten Sie sich einen Fragebogen, um die vergangenen Wochen möglichst aus allen Blickwinkeln zu reflektieren. Was lief gut? Wo hat es gehakt? Wo gab es Konflikte? Wie gut war das Team aufgestellt und wie flexibel konnten Sie kurzfristig agieren? Wie erging es den Eltern? Wie fühlten sich die Fachkräfte? Welche Arbeiten wurden erledigt? Der Fragebogen dient als Grundlage für ein Krisenkonzept, das Sie mit Ihrem Team als Baustein Ihres pädagogischen Konzeptes aufnehmen sollten. Hierfür ist jetzt der richtige Moment, um es auszuarbeiten.

Wie gehe ich mit geplanten (und möglicherweise bereits bezahlten) Fortbildungen einzelner Fachkräfte um?

Viele Fortbildungen können aktuell ohnehin nicht stattfinden. Bei bezahlten Angeboten muss das Geld zurückerstattet werden. Wie wäre es, den Fachkräften Online-Seminare vorzuschlagen, die aktuell mit vielen unterschiedlichen Inhalten gefüllt sind. Auch wir bei Klett Kita haben ein „Paket“ mit unterschiedlichen Themen für Sie geschnürt. Schauen Sie gern mal unter www.klett-kita.de/webinare.

Kann ich meinem Team trotzdem noch ein Seminar am Wochenende zumuten? Oder erst recht?

Zusätzliche Arbeitszeit würde ich meinem Team erst dann wieder zumuten, wenn der Alltag – wie auch immer dieser aussehen wird –  wieder eingekehrt ist. Vorher ist es am besten, möglichst wenig Zusatzstunden aufzubauen. Insbesondere dann, wenn Fachkräfte bereits auf Urlaub verzichtet haben, Sommerschließtage vom Träger gestrichen wurden etc. Letztlich ist es eine individuelle Entscheidung für Ihre Einrichtung. Noch besser ist es, mit dem Team zu sprechen und die Rückmeldung der Fachkräfte einzuholen. Vielleicht sind viele auch froh, die angesammelten Minusstunden durch ein Wochenendseminar wieder zu reduzieren.

Wie schaffe ich es, besonders bei schwierigen Familien mit hoher Kritikbereitschaft, die Erziehungspartnerschaft nach Corona positiv anzugehen?

Wichtig ist, dass Sie den Kontakt JETZT schon halten. Begegnen Sie den Eltern mit großem Verständnis und versuchen Sie, die kritischen Aussagen nicht zu werten. Auch die Eltern befinden sich in einer absoluten Ausnahmesituation und wünschen sich nichts mehr als Normalität. Oftmals sind Sie dann das Ventil für Unzufriedenheit. Eine Idee wäre, einen virtuellen Austausch bereits jetzt anzubieten, bei dem auch die verschiedenen Eltern miteinander ins Gespräch kommen. Nach der schrittweisen Rückkehr in die Kita muss die Transparenz für Ihre Arbeit auf jeden Fall besonders intensiv sein. So gewinnen Sie Vertrauen der Eltern zurück. Es ist in der jetzigen Situation immens wichtig, dass alle einen Schritt auf ihr Gegenüber zugehen. Nur gemeinsam lässt sich in eine gewisse Normalität zurückkehren.

Wir möchten – besonders für traumatisierte und ängstliche Kinder – einen angstfreien Wiederbeginn gestalten. Wie können wir dazu ein möglichst zeitnah gelingendes Konzept erarbeiten?

Auch diese Frage ist sehr individuell. Denn dabei müssen die Gegebenheiten der Einrichtung berücksichtigt werden. Allerdings würde ich bei der Gestaltung des Konzeptes immer im Auge behalten, dass Kinder mit schwierigen Situationen durchaus gut umgehen. Auch wenn ihre Gedanken natürlich kindlich sind, aber die Kinder erkennen, wenn eine Sache wirklich schwierig ist. Trauen Sie es den Kindern zu! Und stülpen Sie Ihnen keine Krisengespräche über, wenn die Kinder diese nicht einfordern. Hier sollte gelten: Weniger ist mehr. Viele Kinder werden froh sein, über ein Stückchen Normalität, sobald sie wieder in die Kita gehen dürfen. Erschweren wir es ihnen also besser nicht durch unsere „schweren Erwachsenengedanken“. Klar ist aber auch: Kinder, die Ängste und Nöte äußern, sollte man sehr ernst nehmen und ihnen Hilfe anbieten. Das kann ein Vier-Augen-Gespräch sein oder ein gezieltes Angebot. Seien Sie Beobachter und Zuhörer, dann wissen Sie bald, was die Kinder brauchen und wünschen.

Seite für Ü3-ErzieherInnen

Hier finden Ü3-ErzieherInnen alles, was sie für den Restart nach den Corona-bedingten Kita-Schließungen wissen müssen.

Seite für U3-ErzieherInnen

Hier finden U3-ErzieherInnen alles, was sie für den Restart nach den Corona-bedingten Kita-Schließungen wissen müssen.

Kontakt

  • Sie erreichen uns:

    Mo- Do: 08:00 - 17:00 Uhr

    Fr: 08:00 - 12:00 Uhr

    Tel: 0711 - 6672 5800

    Fax: 0711 - 6672 5822

    E-Mail: info@klett-kita.de

Versandkosten


  • Klett Kita GmbH:

    Rotebühlstrasse. 77

    70178 Stuttgart

© Klett Kita GmbH - 2019