Was machen die Profis? Kita-Arbeit sichtbar machen

Viele Aspekte von Professionalität erleben Besucher und Besucherinnen in der Kita. Dieser Beitrag hebt hervor, was Fachkräfte in den Kitas von ihrem Können zeigen und wie sie Worte dafür finden können.

Text: Martina Teschner Foto:Thinkstock

Kita-Arbeit ist sichtbar. Schon wenn eine Familie zum Anmeldegespräch die Einrichtung betritt, bekommt sie etwas von der Arbeit in der Kita zu sehen. Das Kind sieht vielleicht andere Kinder, die faszinierende Sachen machen, zum Beispiel sich miteinander zur Musik bewegen. Die Mutter könnte beobachten, wie eine Mitarbeiterin der Kita einem Kind die Jacke schließt und es mit den Worten „So, nun kannst du in den Garten!“ nach draußen lässt. Der Vater sieht möglicherweise, dass eine Fachkra†t draußen bei einigen Kindern ist, die auf selbst gebauten Hütten klettern. Die Oma bemerkt, wie zwei Kindern angesprochen werden, die sich streiten. Was liegt hinter solchen konkreten Beispielen? Was vermitteln sie von professioneller Gestaltung eines institutionellen Alltags?

Wir kennen die Kinderrechte!

Der Umgang der Fachkrä†te mit den einzelnen Kindern, aber auch ihre Freude an der Gemeinscha†t, prägen die Atmosphäre des Hauses. Das Besucherkind im Eingangsbeispiel könnte entdecken: Hier dürfen Kinder etwas machen, was ihnen Spaß macht! Kinder haben ein Recht darauf, etwas zu tun, was ihnen Spaß macht, ist die dahinterliegende Haltung. Die †ürsorgliche Hilfe und die freundlichen Worte, die die Mutter wahrgenommen hat, zeugen davon, dass Kinder hier Unterstützung bekommen.  Kinder haben ein Recht auf Fürsorge. Die kletternden Kinder, die der Vater sieht, vermitteln ihm: Kindern wird hier etwas zugetraut, sie dürfen sich Herausforderungen suchen und sich in ihnen bewähren. Kinder haben ein Recht auf Anregungen. Die Oma sieht, dass auch das soziale Zusammenleben in der Kita gestaltet wird. Kinder haben ein Recht auf eine sichere soziale Gruppe. Die Kinderrechte sind das Fundament einer professionellen Haltung zu Kindern. In Ausbildung und Studium wird sich daher intensiv mit dem zunächst unre“ektiert erworbenen Bild vom Kind auseinandergesetzt: Dabei ist dieser Prozess in dieser Zeit nur angestoßen. Die Familie, die vor der Aufnahme schon zum Schnuppern eingeladen wird, erlebt dabei, dass die Fachkräfte eine Beziehung mit dem Kind aufnehmen können. Sie haben gelernt, wie sie Signale eines Kindes erkennen und deuten können. Das Kind schiebt ein Auto, die Fachkra†t schiebt ein Auto. Diese Imitation bestärkt das Kind in seinem Tun und stellt gleichzeitig eine Verbindung zwischen den beiden her. Gibt es eine äußere Störung oder innere Unruhe, können Fachkrä†te ruhig und beruhigend eingreifen. Fachkrä†te haben ein Handlungsrepertoire entwickelt, das ihnen ermöglicht, angemessen zu reagieren. Auch dieses wird im Laufe der beru“ichen Biogra—e durch Selbstre“exion und Austausch ausgebaut. Fachkrä†te wissen, dass eine sichere Bindung ein Grundbedürfnis ist und darüber hinaus eine Voraussetzung †ür entdeckendes Lernen.

Singen, schreiben und Theater

Wenn Kinder Bilder nach Hause bringen oder zusammenge†ügte Objekte aller Art oder wenn sie von ihren Erlebnissen berichten – was kann daraus über die Arbeit von Fachkräften in der Kita geschlossen werden? Das Lernen der Kinder geschieht im Dialog mit der Welt und mit anderen. Dazu bedarf es Eindrücken von der Welt und Ausdrucksmöglichkeiten,  um das eigene Weltverständnis mitteilen zu können. Fachkrä†te scha›ffen viel†ältige Erfahrungsräume  und regen an, eine große Bandbreite von Ausdrucksmöglichkeiten zu erwerben und zu perfektionieren. Dies ist ein umfassender Spracherwerb,
nicht nur auf die verbale (deutsche) Sprache reduziert, sondern bezogen auf den Grundgedanken, dass es darum geht, sich zu verständigen und seine Ideen in eine Gemeinscha†t einzubringen und damit auch Gemeinscha†t mitzugestalten. Den Kindern Aufmerksamkeit zu schenken, erfordert von den Fachkrä†ten ein “exibles Eingehen auf die Interessen und Ideen der Kinder. Fachkrä†ten wird hier abverlangt, zuzuhören, zu beobachten und sich empathisch darum zu bemühen, die Kinder zu verstehen. Es bedeutet aber auch, wie es zum Beispiel in den Early Excellence Centres heißt, Unverstandenes zu akzeptieren und zu unterstützen, im Vertrauen darauf, dass dies †ür dieses Kind Sinn ergibt. Die Anregung einzelner Kinder geschieht dabei immer auch eingebettet in die Gruppe. Fachkrä†te fördern auch das Verstehen der Kinder untereinander. Die Gleichaltrigen als höchst wirkungsvoll †über das Lernen der Einzelnen zu erkennen, diese Gruppen zu stützen und bei Bedarf bewusst mitzugestalten, dies gehört zur Professionalität von Fachkräten.

Im Blick: Kinder und Stadtteil

Projektarbeit in der Kita, nicht nur mit den Kindern, sondern auch mit den Eltern, den Familien, vielleicht sogar als Stadtteilaktionen macht eine weitere Komponente der Arbeit sichtbar: Es geht dabei um die soziale Gruppe, das Gemeinwesen, in dem Kinder aufwachsen. Kinder leben gut in gut gestützten Familien. Kita-Teams ermöglichen den Familien durch solche Projekte positive gemeinsame Erfahrungen, die sich wiederum positiv und stärkend auf die Familie auswirken. Eine Kultur der gegenseitigen Wertschätzung und der Achtung vor den eigenen und den Fähigkeiten der anderen wird in die Familien durch Projekte hineingetragen. Voraussetzung †ür eine solche Arbeit ist eine im weitesten Sinne interkulturelle Kompetenz der Fachkrä†te, nicht nur im Hinblick auf Familien aus anderen Ländern, sondern auch hinsichtlich der unterschiedlichen Milieus von Familien heute. Das pragmatische Anerkennen, dass die Diversität größer geworden ist, oder anders ausgedrückt, dass es Unterschiede in der Elternscha†t gibt, ist notwendig. Davon ausgehend müssen †ür die unterschiedlichen Bedürfnisse niederschwellige, angemessene Zugänge zum Kita-Leben gescha›en werden. Fachkrä†te haben sich daher in Ausbildung oder Studium mit der Buntheit unserer Gesellscha†t auseinandergesetzt. Sie haben gelernt, dass eine Bewertung fremder Verhaltensweisen nicht ziel†ührend f†ür einen Dialog ist. Fachkrä†te können vielfältige Kommunikationsformen nutzen, um sich mit Eltern zu verständige und sie können Strukturen anpassen, beispielsweise anstelle eines Elternabends ein Elterncafé anbieten, um Informationen auszutauschen. Wo Kinder, Eltern und andere Familienmitglieder oder Bekannte lernen, sich zu äußern und für ihre Belange einzutreten, dabei sich auch in Gruppen formieren und dort diskutieren und gemeinsam agieren, ist die Kita tatsächlich die Wiege der Demokratie. Deshalb ist es notwendig, dass Fachkrä†te sich mit unserem demokratischen System beschä†tigt haben, demokratische Strukturen kennen und in den Kitas umsetzen können. Dieser kurze Text spiegelt selbstverständlich nur einen Ausschnitt dessen, was die Professionalität von Kita-Fachkrä†ten ausmacht. Es ist gar nicht so einfach, deutlich zu sagen, was Fachkrä†te können. Die Liste dürfen Sie gern in Ihrem Team ergänzen!

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