Jeder ist irgendwie anders – Mit spielerischen Team-Übungen Vielfalt neu denken

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Manuela hat die größten Füße, Iva kocht die beste Pasta und Dannea kann die meisten Zungenbrecher fehlerfrei aufsagen. Wo die drei Erzieherinnen das festgestellt haben? – Auf einer Teamfortbildung zum Thema „Vielfalt“. Seitdem stecken sie auch die Kinder nicht mehr in Schubladen wie „deutsch“ oder „mit Migrationshintergrund“ oder „muslimisch“. Sie wissen nun, dass Vielfalt sehr viel mehr Facetten hat.

Text: Giovanni Cicero Catanese
Bild: ©Plume creative/GettyImages

„Das Thema Vielfalt geht mich nicht wirklich an, weil unsere Einrichtung nur von deutschsprachigen Kindern, meist aus akademischen Familien, besucht wird.“ Dieser Satz einer pädagogischen Fachkraft im Rahmen einer Fortbildung zu interkulturellen Themen im letzten Jahr hat mich zum Nachdenken gebracht. Ist doch die aktuelle Ausrichtung der Elementarpädagogik von situations- und biographisch orientierten Ansätzen geprägt, die allesamt die Handlungskompetenzen für den sensiblen Umgang mit Vielfalt implementieren möchten: Man denke hier beispielsweise an die „Pädagogik der Vielfalt“, die „Vorurteils bewusste Bildung und Erziehung“, die „gendersensible Pädagogik“ oder auch die „inklusive Bildung“.

Man sollte also vermuten, dass die Wahrnehmung der Diversität als breitgefächerte Ausprägung aller Menschen eine Selbstverständlichkeit bei Pädagogischen Fachkräften ist. Aber es scheint, dass sich noch nicht alle Erziehenden zur Aufgabe gemacht haben, Kinder für die Vielfalt in der Gesellschaft zu sensibilisieren.

Couch-Potato? Witze-Erzähler? Weltenbummler?

Auch wenn dies in den meisten Kita-Konzepten als Ziel ausdrücklich formuliert ist, zeigt mir meine Erfahrung als erziehungswissenschaftlicher Berater, dass die methodische Herangehensweise an die Thematik in Teams nicht immer ausreichend reflektiert wird. Neben zeitlichen und personellen Engpässen kommt in diesem Prozess die Schwierigkeit hinzu, dass die Definition von Vielfalt schwer abgrenzbar ist, so dass viele Fachkräfte befürchten, nicht allen Formen der Vielfalt gerecht werden zu können. Die gemeinsame Reflexion über die „vielfältige Zusammensetzung“ des Teams selber kann ein erster Schritt sein, mannigfaltige – ganz konkrete – Merkmale der Vielfalt bei sich und den Kollegen und Kolleginnen zu entdecken. So kann – mit viel Spaß – ein breiteres Verständnis des Begriffes entwickelt werden.

Vielfalt ist beispielsweise nicht nur mit einem Migrationshintergrund in Verbindung zu bringen, sondern kann verschiedene Aspekte der Lebensrealität jedes Menschen berühren. Sich gemeinsam im Team darüber bewusst zu werden, stellt eine Voraussetzung dar, um in der Vielfalt aller Akteure der Kita (Team, Eltern, Kinder) eine Chance für eine Bildung zu sehen, die auf die interkulturelle Öffnung zielt. Dabei geht es nicht nur darum, individuelle Identitäten anzuerkennen und wertzuschätzen, sondern auch darum, Gemeinsamkeiten herauszufinden, die das Teamgefühl stärken und konkrete Handlungsmöglichkeiten für die pädagogische Arbeit daraus abzuleiten.

Vielfalt ist vielfältig! – Übungen für Teams

Im Kasten (unten) werden einige Ideen vorgestellt, wie Kita-Teams – beispielsweise im Rahmen von Teamgesprächen oder -tagen – die Wahrnehmung von Vielfalt reflektieren können, auch wenn die eigene Einrichtung nur von angeblich homogenen Gruppen besucht wird.
Die vorgestellten Methoden können auch erweitert und angepasst werden, etwa, wenn man sie mit Kindern oder Familien durchführt. Da bei dieser Form der Teamfortbildung biographienahe Erfahrungen miteinbezogen werden, ist es zu empfehlen, dass sie zumindest am Anfang von einem externen Experten fachlich begleitet wird.

Übungen für Teams

Viefalt ist …

Was verstehen die einzelnen Team-Mitglieder unter Vielfalt? Was bedeutet dieser Begriff konkret? Ein Brainstorming zu konkreten Erscheinungsformen der Vielfalt bietet anschauliche Anhaltspunkte, die gezielt angegangen werden können. Benutzt man dafür Plakate, können diese im Teambesprechungsraum eine Zeit lang aufgehängt und für Ergänzungen zur Verfügung stehen. So können die Erzieherinnen und Erzieher im pädagogischen Alltag neu entdeckte Formen der Vielfalt ergänzen. Nach einer bestimmten Zeit kann sich das Team wieder beraten und die Ergebnisse im Hinblick auf pädagogische Handlungen auswerten.

Mein Name bedeutet …

Jeder Mensch trägt einen Namen, der eine einzigartige Geschichte hat. Die Reflexion über den Ursprung und die Auswahl des eigenen Namens kann spannende biographische und familiäre Vorgeschichten aufdecken, lässt wichtige Teile der Identität zur Geltung kommen, stärkt das gegenseitige Kennenlernen und macht die Vielfalt der Biographien ersichtlich. Geschichten in Verbindung mit Vornamen können Steckbriefe oder Vorstellungsschreiben ergänzen, die oft im Eingangsbereich vieler Kitas hängen, auf denen einzelne Mitglieder des Teams Informationen über sich preisgeben. Wird das Thema später auch mit Kindern angegangen und durch Portfolios oder Aushänge sichtbar gemacht, wird die Vielfalt aller Kita-Akteure wahrnehmbar.

Das ist meine Sprachfigur …

Sehr verbreitet ist in den letzten Jahren die Übung mit dem Sprachporträt, oder auch „Sprachfigur“ – einer Art Körpersilhouette zum Ausmalen, in der die eigenen Sprachen farblich abgebildet werden. Dabei sucht jeder für seine Figur jeweils eine repräsentierende Farbe für eine Sprache aus, die er oder sie kennt, im Alltag hört oder noch lernen möchte. Bei dieser Übung geht es nicht um eine Vermessung von Sprachkenntnissen nach sprachtestähnlichen Standards, sondern um die Darstellung und Wertschätzung von Spracherfahrungen und -vorlieben. Oft wird erst durch solche Übungen bewusst, wie vielfältig unsere Sprachbiographie ist und mit wie vielen Sprachen wir (und letztlich auch die Kinder!) jeden Tag in
Berührung kommen – auch wenn wir denken, wir seien einsprachig.

Auch sprachliche Varietäten (Dialekte) sollten geltend gemacht werden! Durch das gemeinsame Betrachten der Sprachfiguren und den Austausch darüber, entdecken Teams möglicherweise viele nicht bekannte Sprachkompetenzen. Erweiterung: Malt man die Sprachfiguren mit Wasserfarben aus, wird sichtbar, wie die Grenzen zwischen den Sprachen verschmelzen, genauso wie Sprachen im Alltag ständig miteinander in Kontakt treten und sich vermischen.

Das kann keiner so gut wie ich …

Rückwärtslesen, Tierstimmen nachahmen, Witze erzählen, das beste Tiramisu der Welt zubereiten, alle Romane von Agatha Christie kennen – hier dürfen auch lustige oder außergewöhnliche Eigenheiten zur Sprache kommen! Auch in der Arbeit mit Familien kann man Türen öffnen, um die Vielfalt offenkundig werden zu lassen und da – mit auch besondere Fähigkeiten wertzu schätzen. Diese können praktischer Natur sein, aber auch persönliche Begabungen und Eigenschaften einschließen, die im pädagogischen Alltag nicht immer sicht-, hör- oder greifbar sind.

Mein Lieblings- …

Auch der Austausch über Lieblingsbeschäftigungen, -rezepte, -sendungen, -lieder, -tiere usw. gehören zur Entdeckungsreise von Vielfalt der Menschen, die im gemeinsamen Lebensraum Kita eine bedeutende Zeit ihres Lebens verbringen. „Vorlieben“ eignen sich sowohl für die Diskussion im Team als auch für eine bildnerische oder fotographische, somit sichtbare Darstellung in den Kita-Räumlichkeiten.

Für Sie herausgelesen

  • Vielfalt lässt sich längst nicht nur an einem Migrationshintergrund festmachen, sondern kann verschiedenste Aspekte der Lebensrealität von Menschen betreffen.
  • Sich dies bewusst zu machen, ist eine wichtige Aufgabe für pädagogisches Fachpersonal in Kitas.
  • Einfache Übungen helfen Teams dabei, Ihren Vielfalts-Begriff zu erweitern.

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