19.08.2019
Adelheid Fangrat
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Gemeinsam ankommen – warum Zielvereinbarungsgespräche bedeutsam sind

Ziele sind gut, sie umzusetzen ist besser. Damit dies auch wirklich gelingt, führen Sie Zielvereinbarungsgespräche mit Ihren Mitarbeiterinnen. Eine solche zielgerichtete Kommunikation zwischen Leitung und Mitarbeiterinnen sorgt für mehr Transparenz: Sie haben die Jahresziele der Kita stets vor Augen und jede Mitarbeiterin weiß genau, was sie dazu beitragen muss, um diese zu erreichen. So können Sie beide Vorstellungen vergleichen und gemeinsam einen Lösungsweg finden. Im Ergebnis richtet diese Kommunikationsmethode die Energien des Teams auf eine gemeinsame Richtung aus.

Text: Adelheid Fangrat | Bild: ©asiseeit/GettyImages

Zielvereinbarungsgespräche – Modetrend oder Trumpfkarte?

Teamgespräche gehören zum Arbeitsalltag in einer modernen Kita. Hier besprechen Sie gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen wichtige Themen und treffen Absprachen. Viele Leitungskräfte halten diese Gespräche für ausreichend, um das Team zu führen. Dies trifft aber nur zum Teil zu. Die regelmäßigen Besprechungen beinhalten in der Regel nur Details zum Arbeitsalltag, während Erwartungen und Vorstellungen aller Beteiligten oft unausgesprochen bleiben. So entstehen schnell Spannungen.

Unausgesprochene Erwartungen führen zu Spannungen

Zum Beispiel wünscht sich eine Leiterin mehr Eigeninitiative bei einer Mitarbeiterin. Diese will aber nicht ihre Kompetenzen überschreiten und wartet auf klare Anweisungen, was denn genau zu ihrem Aufgabenbereich gehört. Letztendlich sind beide Seiten voneinander enttäuscht.

Genauso schwierig wird die Zusammenarbeit, wenn die Leiterin der Kita keine klaren Ziele vorgibt. Es reicht nicht aus, nur die Richtlinien der pädagogischen Arbeit festzulegen. So ist zwar ein übergeordneter Plan festgelegt, aber jeder macht letztendlich sein eigenes Ding. Das blockiert nicht nur die Entwicklung der Kita, sondern auch die der Mitarbeiterinnen. Sie brauchen einen klaren Handlungsrahmen, um sich orientieren zu können. Auch der Träger und die Eltern wünschen sich ein transparentes Konzept, um die Aktivitäten innerhalb eines Kindergartenjahres nachvollziehen zu können. Unklare Absprachen und nicht eindeutig definierte Ziele sind häufig der Grund, warum die Zusammenarbeit in der Kita nicht reibungslos verläuft.

Leichter führen mit Zielvereinbarungsgesprächen?

Zu Ihren Aufgaben als Leitung gehört nicht nur, die Einrichtung weiterzuentwickeln, sondern auch, Ihre Mitarbeiterinnen zu fördern. Dafür ist es einerseits erforderlich, dass Sie sich Ziele für das kommende Jahr überlegen. Und dann ist es wichtig, dass jede Einzelne im Team weiß, was sie zu leisten hat, damit gemeinsam das Ziel erreicht wird. Dafür eignet sich am besten das Zielvereinbarungsgespräch.

Was ist ein Zielvereinbarungsgespräch?

Ein Zielvereinbarungsgespräch ist ein Vieraugengespräch zwischen der Leiterin der Kita und der Mitarbeiterin. Hier überlegen beide, welche Aufgaben sich für die Mitarbeiterin stellen bzw. wie sie zum Erreichen des Zieles beitragen kann. Die daraus resultierenden Ergebnisse werden schriftlich notiert und nach einem festgelegten Ablauf überprüft.

Ihre Vorteile

1) Wenn Sie Zielvereinbarungsgespräche einführen, dann sind Sie automatisch gezwungen, sich über die strategische Ausrichtung der Kita Gedanken zu machen.

2) Die Vereinbarungen geben jedem Einzelnen die gewünschte Richtung zum Handeln vor. So stellen Sie sicher, dass das Team gemeinsam daran arbeitet, die Ziele der Kita umzusetzen und zu verwirklichen.

3) Nach dem verabredeten Zeitpunkt überprüfen Sie, ob die Vereinbarungen umgesetzt wurden. Damit haben Sie ein objektives Kriterium an der Hand, um die Leistungen der Mitarbeiterinnen bewerten zu können. Konflikte lassen sich auf der Sachebene viel leichter ansprechen und lösen.

4) Gleichzeitig sind Zielvereinbarungsgespräche aber auch eine gute Möglichkeit, um jede Mitarbeiterin individuell zu fördern. Diese kann selbst entscheiden, ob sie mehr Verantwortung übernehmen möchte. Indem die Ziele auf die Möglichkeiten der Mitarbeiterin zugeschnitten sind, wird diese nicht überfordert. So arbeitet sie motiviert und gleichzeitig wird ihr Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt.

Zielvereinbarungsgespräche – wie Sie auf Einwände reagieren

Wenn Sie als Leiterin der Kita Zielvereinbarungsgespräche einführen möchten, dann reagieren viele Mitarbeiterinnen wahrscheinlich erst einmal ablehnend. Das ist verständlich, denn Ziele sind immer auch etwas Persönliches. Tatsächlich schleichen sich bei der Umsetzung der Gespräche leicht Fehler ein.

Wie Sie am besten auf Einwände reagieren – 6 Tipps

Lesen Sie, wie Sie auf typische Einwände reagieren und in Ihrer Kita erfolgreich Zielvereinbarungen etablieren.

1. Einwand: Ziele sind starre Vorgaben von der Leitung

Engagierte Fachkräfte lieben ihren Beruf. Für diese Mitarbeiterinnen ist die Arbeit mit Kindern Erfüllung und sie achten weniger auf das Ergebnis. Sie reagieren lieber intuitiv auf die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder und fühlen sich von Zielvorgaben in ein starres Konzept gezwängt.

Ihre Reaktion: Beim Zielvereinbarungsgespräch geht es nicht darum, kleinteilige Aufgaben für die Mitarbeiterinnen zu bestimmen oder eine reine Tätigkeitsbeschreibung zu vereinbaren. Stattdessen wird gemeinsam ein Ergebnis festgelegt. Auf welchem Weg die Mitarbeiterinnen dieses Ziel erreichen, entscheiden diese entsprechend den Anforderungen ihres Arbeitsplatzes. Wer es wünscht, kann mehr Eigenverantwortung und selbstständiges Handeln vereinbaren.

Beitrag über Zielvereinbarungsgespräche | aus dem Werk KOMPASS Kita-Leitung

2. Einwand: Ziele sind kalt und bremsen die Kreativität aus

Schon das Wort Ziele stößt viele Kita-Mitarbeiterinnen ab, denn sie empfinden Zielvorgaben kalt und unpersönlich. In der Kita-Arbeit spielt die Kreativität eine große Rolle. Oft entwickeln sich neue Ideen erst im Laufe der Zeit. Gerade langjährige Mitarbeiterinnen vertrauen auf ihr Gespür, kurzfristig auf neue Situationen reagieren zu können. Durch feste Zielvereinbarungen fühlen sie sich ausgebremst.

Ihre Reaktion: Das Zielvereinbarungsgespräch bietet jeder einzelnen Mitarbeiterin viele Vorteile, denn es stehen ja nicht nur die Ziele der Leiterin, sondern auch die persönlichen Vorstellungen der Mitarbeiterin im Vordergrund. Sie kann aktiv ihre eigene Arbeit gestalten und dank der verstärkten Eigenverantwortung bietet sich ihr ein viel größerer Handlungsspielraum.

3. Einwand: Ziele fördern Leistungsdruck

Unsichere oder neue Mitarbeiterinnen fühlen sich von Zielen leicht eingeschüchtert. Eine Zielvorgabe erzeugt Druck und erhöht die Angst vor dem Scheitern. Ihre Reaktion: Wenn Sie Ziele festlegen, orientieren Sie sich an der Erfahrung und den Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen. Und vertrauen Sie auf Ihre Menschenkenntnis: Wer blüht bei einer Herausforderung auf und wem trauen Sie nur kleine Schritte zu. Mit diesem Wissen vereinbaren Sie Ziele, die auch erreichbar sind.

4. Einwand: Ziele fördern den Konkurrenzkampf

Im ungünstigen Fall kann es passieren, dass sich einzelne Mitarbeiterinnen übertrumpfen wollen oder sogar verbissen miteinander in Konkurrenzkampf treten.

Ihre Reaktion: Das Zielvereinbarungsgespräch ist immer ein Vieraugengespräch. Die vereinbarten Erwartungen kennen nur die Leiterin sowie die entsprechende Mitarbeiterin. Fordern Sie Ihr Team auf, die Zielvereinbarungsunterlagen vertraulich zu behandeln.

5. Einwand: Zielvereinbarungsgespräche sind Zeitverschwendung

Krankheitsbedingte Ausfälle im Team sorgen im Kita-Jahr häufig für eine angespannte Situation. Gestresste Mitarbeiterinnen empfinden Zielvereinbarungsgespräche oft als Zeitverschwendung.

Ihre Reaktion: Der Zeitaufwand für Zielvereinbarungsgespräche lohnt sich, denn die Mitarbeiterinnen erhalten eine klare Orientierung über den eigenen Arbeitsbereich. Gleichzeitig werden gute Leistungen positiv bemerkt. Das fördert die Motivation und die Freude an der Arbeit.

6. Einwand: Ziele geraten schnell in Vergessenheit

Das Zielvereinbarungsgespräch motiviert die Mitarbeiterinnen. Aber wenn sich niemand dafür interessiert, wie und wann die Ziele umgesetzt werden, dann tritt der gegenteilige Effekt ein. Warum sich engagieren, wenn sich die Leitung scheinbar nicht für die Ergebnisse interessiert?

Ihre Reaktion: Es reicht nicht, einmal im Jahr feste Ziele zu vereinbaren. Geben Sie jeder Mitarbeiterin in regelmäßigen Abständen ein Feedback zu der geleisteten Arbeit. Und nehmen Sie sich spätestens einmal im Jahr Zeit für ein ausführliches Zielvereinbarungsgespräch. Hierzu gehört immer auch ein Rückblick auf die bisher gemachten Erfahrungen mit Zielen. Anfangs ist sicher nicht alles gleich perfekt, passen Sie die Zielvorstellungen deshalb immer mehr der individuellen Situation in der Kita an.

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