08.04.2021
Sabine Lotz
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Mini-Vampire im Unterholz – Mit dem Frühling kommen die Zecken

Zeckenstiche können krank machen. Gut zu wissen, wie man Kinder und sich selbst vor den blutsaugenden Plagegeistern schützen kann.

Endlich Frühling! Wird es draußen wärmer, drängt es nicht nur uns Menschen ins Freie, auch die Zecken krabbeln aus ihren Winterquartieren und legen sich wieder auf die Lauer. Die winzigen Tiere sind entgegen einem verbreiteten Irrtum keine Insekten, sondern Spinnen, genauer Milben. Um sich vollständig zu entwickeln und zu vermehren, brauchen Zecken das Blut von Säugetieren, gern auch Menschen. Geeignete „Opfer“ zum Anzapfen finden die Biester überall dort, wo es Sträucher, Büsche, hohe Gräser gibt – sowohl am und im Wald als auch in Gärten und Parks. Als „Wegweiser“ dienen den blinden Blutsaugern dabei die komplexen Sinnesorgane in ihren beiden Vorderbeinen.

FSME und Borreliose – beides kann gefährlich werden

Verraten Geruch, Körperwärme und ausgeatmetes Kohlendioxid, dass sich ein geeigneter Wirt nähert, lässt sich die Zecke von diesem im Vorübergehen abstreifen und klammert sich an ihm fest. Anschließend sucht sie seine Oberfläche beziehungsweise Haut nach einer „leckeren“ Einstichstelle ab, wo sie schließlich zusticht und sich festbeißt. Dabei infizieren etliche Zecken – nicht alle! – ihre „Opfer“ mit Krankheitserregern. In Deutschland hauptsächlich verbreitet: Viren, die die sogenannte Früh-Sommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) auslösen, und Bakterien, die eine Borreliose verursachen. Beide Infektionen können schwerwiegend verlaufen, da sie neben anderen Organen auch das Nervensystem attackieren. Ein weiterer Zecken-Irrtum besagt, dass nur die „süddeutschen“ Holzböcke gefährlich seien. Zwar stimmt es, dass praktisch ganz Bayern und Baden-Württemberg FSME-Risikogebiete sind; ebenso mehr oder weniger große Teile von Hessen, Thüringen und Sachsen. Doch ist mit dem Emsland auch eine norddeutsche Region betroffen. Risikogebiet heißt, dass dort bis zu fünf Prozent der Zecken FSME-Viren übertragen können. Borrelien dagegen kann man sich in ganz Deutschland einfangen, nahezu 30 Prozent aller Zecken sind damit infiziert.

Was tun?

Gegen FSME gibt es eine wirksame Impfung, gegen Borreliose nicht. Am besten deshalb Zeckenstichen vorbeugen und bei Spaziergängen sowie Ausflügen ins Grüne:

  • hohe Gräser und Unterholzbereiche von Wäldern meiden;
  • „zeckenfeindlich“ anziehen – mit geschlossenen Schuhen, hochgeschlossenen, langärmeligen Shirts, Jacken mit Kragen sowie langen Hosen, die auf Knöchelhöhe in den Socken stecken. Alles möglichst in hellen Farben, auf denen angreifende Zecken leicht zu erkennen sind;
  • Mütze, Kappe oder Sonnenhut tragen. Das ist vor allem für Klein- und Vorschulkinder wichtig, die ihren Kopf quasi in Zeckenhöhe haben;
  • sofern die Eltern einverstanden sind, auf unbedeckte Hautstellen ein kindergeeignetes Zeckenabwehrmittel, ein sogenanntes Repellent, geben.

Außerdem wichtig: Nach jedem Ausflug die Kinder (und sich selbst) nach dunklen Punkten, sprich Zecken, absuchen. Am häufigsten findet man die kleinen Blutsauger dort, wo die Haut dünn und gut durchblutet ist, zum Beispiel in den Kniekehlen, in den Leistenbeugen und hinter den Ohren. Krabbeln die Biester noch, kann man sie abklauben; haben sie sich schon festgesaugt, muss man sie aus der Haut ziehen. Je schneller dies geschieht, desto geringer das Risiko einer Borreliose. Keine Rolle spielt der Zeitfaktor für eine mögliche Übertragung der deutlich selteneren FSME-Viren. Sie gelangen meist unmittelbar mit dem Zeckenstich ins Blut. Ist ein Kind von einer Zecke gebissen worden, sollten die Eltern informiert werden, damit sie eventuell auftretende Krankheitssymptome bei ihrem Kind richtig einschätzen und frühzeitig ärztlichen Rat einholen. Zu den ersten Anzeichen einer FSME gehören Fieber, Kopfschmerzen und Mattigkeit. Eine Borreliose äußert sich anfangs häufig durch die sogenannte Wanderröte – eine kreisförmige Rötung um die Einstichstelle herum.

So entfernt man Zecken

  • Hilfsmittel wie Zeckenpinzette, -karte oder -zange verwenden;
  • die Zecke möglichst nahe an der Einstichstelle packen und dann langsam herausziehen – dabei bitte weder drehen noch zudrücken;
  • keine „Hausmittel“ wie Klebstoff oder Öl auf den Blutsauger träufeln, da sich derart bedrängte Zecken erst recht in die Stichstelle entleeren;
  • zum Arzt gehen, wenn es nicht gelingt, die Zecke vollständig zu entfernen.

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