neue Kitaleitung

Rollenwechsel in der eigenen Kita – so meistern Sie die Herausforderung

Aus dem Team in die Leitungsposition – ein Karrieresprung, der viele Emotionen bei allen Beteiligten hervorruft. Sie als Leitung stehen vor der Herausforderung, sich in Ihrer neuen Rolle zurechtzufinden. Auch Ihr Team muss diesen Rollenwandel annehmen und mittragen.

Text: Miriam Pohl, Bild: SolStock/ gettyimages

Ein Rollenwechsel in der eigenen Kindertagesstätte kann zunächst zu vielen Verunsicherungen bei allen Beteiligten führen. Sie selbst stehen vor einer neuen Herausforderung, aber auch das Team sieht sich mit vielen Fragen und neuen Gefühlen konfrontiert, wie zum Beispiel:

  • Wie wird das Verhältnis zwischen uns nun sein?
  • Werden wir weiterhin auch privat noch Dinge besprechen können?
  • Wie wird mit Dingen umgegangen, die ich ihr über eine Kollegin im Vertrauen gesagt habe?
  • Welchen Führungsstil wird sie haben?

Die folgenden Schritte können Ihnen dabei helfen, sich gut in Ihre neue Rolle einzufinden und zwischenmenschlich ein gutes Miteinander zum Wohle der Kinder und Familien herzustellen.

Schritt 1: Entwickeln Sie Ihr eigenes Führungsverständnis

In den vorangegangenen Ausführungen haben Sie einen theoretischen Einblick zum Rollenverständnis einer Kita-Leitung erhalten. Beim Wechsel aus dem Team in die Leitungsposition sollten Sie sich zunächst Gedanken zu Ihrem eigenen Verständnis von Führung machen.

Nutzen Sie dafür einen freien Tag, um über die Fragen (siehe Download am Ende des Beitrags) zu Ihrem persönlichen Führungsverständnis nachzudenken. Halten Sie Ihre persönlichen Antworten auf die Fragen schriftlich fest, so wird deutlich, was Ihnen in Ihrer zukünftigen Rolle als Leitung und Führungspersönlichkeit wichtig ist.

Sollte es dann einmal zu Unsicherheiten oder Konflikten kommen, kann Ihnen Ihre Übersicht helfen, sich auf Ihr Grundverständnis von Führung zu besinnen und Klarheit zu schaffen.

Tipp: Sie müssen sich nicht auf eine einzige Rolle festlegen

Bedenken Sie immer, dass Sie sich nie auf eine einzige Rolle festlegen müssen. Im Rahmen Ihrer Führungsverantwortung können Sie beispielsweise Beraterin, Moderatorin oder aber auch Partnerin sein.

Wichtig ist, dass Sie Ihre eigene Haltung sowie die entsprechende Situation regelmäßig reflektieren und prüfen, wann Sie welche Haltung einnehmen können, ohne an Authentizität zu verlieren.

Tipp: Positionieren Sie sich klar als Leitung

Grundsätzlich müssen Sie sich zukünftig klar als Leitung positionieren. Sie kommen aus dem Team und viele Kolleginnen werden Sie vielleicht nicht von Beginn an als neue Vorgesetzte betrachten, die ihnen gegenüber nun weisungsbefugt ist.

Grenzen Sie sich in Ihrer Rolle als Leitung hier klar ab. Signalisieren Sie dabei natürlich Verständnis und Offenheit, aber gleichzeitig auch Selbstbewusstsein und Strukturiertheit. Trennen Sie zwischen Beruflichem und Privatem, zum Beispiel, wenn sich Freundschaften im Team entwickelt haben, auch wenn dies meist nicht so einfach ist.

Schritt 2: Berufen Sie eine erste Teamsitzung gemeinsam mit dem Träger ein

Nachdem Sie sich mit Ihrem eigenen Verständnis von Führung auseinandergesetzt haben, nutzen Sie die erste Teamsitzung in Ihrer neuen Position als Leitung, um sich als Führungsperson im Team vorzustellen. Dies ist wichtig, auch wenn Ihr Team Sie bereits lange kennt.

Denn so vollziehen Sie den Rollenwechsel offiziell und machen ihn transparent. Dieser Prozess stützt Sie in Ihrer Autorität als Leitung. Bitten Sie einen Trägervertreter hinzu, der Sie sogar persönlich als neue Leitung vorstellt und Ihnen vor dem gesamten Team sein Vertrauen ausspricht.

Machen Sie in der Teamsitzung Ihre Ziele transparent und lassen Sie dabei Raum für Fragen. Ein möglicher Ablauf könnte folgendermaßen aussehen:

Tagesordnung für die erste Teamsitzung

1. Begrüßung und Ansprache der Trägers

2. Eigene kurze Vorstellung

3. Dies ist wichtig, wenn zum Beispiel neue Mitarbeiterinnen hinzugekommen sind.

4. Vorstellung des eigenen Führungsverständnisses und erster Ziele

5. Zeit für Fragen

6. Zusammenfassung der Sitzung, bei der Sie noch einmal deutlich machen, dass Sie sich auf die neue Position freuen und sich die Unterstützung des Teams erhoffen.

Tipp: Schaffen Sie Vertrauen

Bitten Sie Ihr Team um einen offenen und ehrlichen Austausch. Machen Sie deutlich, dass Sie sich auf die neuen Aufgaben freuen und zum Wohle der Kinder und Familien sowie zur Qualitätssicherung auf ein gutes Miteinander angewiesen sind.

Jeder darf und wird am Anfang Fehler machen, auch Sie. Dies bereits vorab zu erwähnen, ist menschlich und verbindet. Es kann zu einem gelingenden Miteinander beitragen.

Schritt 3: Führen Sie eine Situationsanalyse und Sozialraumanalyse durch

Im Rahmen einer Situationsanalyse und Sozialraumanalyse ist es wichtig, sich mit den Rahmenbedingungen der Kita auseinander zu setzen. Welche Regelungen und Abläufe gibt es innerhalb der Einrichtung? Welche Verträge wurden geschlossen? Wie sind die verschiedenen Arbeitsprozesse, zum Beispiel zu Einstellungsverfahren, zu Gegebenheiten beim Mittagessen, zur Abrechnung der Kita-Gebühren etc., umzusetzen und vieles mehr.

Der Sozialraum

Betrachten Sie auch den Sozialraum. Wie ist die Kita in die Gemeinde eingegliedert? Welche Vernetzungsstrukturen gibt es? Welche Zielgruppe wird angesprochen? Eine Analyse ist natürlich einfacher, wenn Sie bereits aus dem Team kommen, also mehrere Jahre Berufserfahrung in der Kindertagesstätte sammeln konnten, und dann die Leitung übernehmen.

Vielleicht denken Sie aus der Berufserfahrung heraus auch daran, dass eine solche Analyse daher nicht notwendig ist. Nehmen Sie sich trotz der Bedenken die Zeit. Beide Analysen ermöglichen es Ihnen, zukünftig zielgerichtet und sicher Ihre Führungsverantwortung wahrzunehmen. Es wird Ihnen ein vielleicht noch unbekannter Blick auf Ihre Einrichtung ermöglicht.

Schritt 4: Hospitieren Sie in den einzelnen Gruppen

Nutzen Sie in den ersten Wochen die Möglichkeit, in den einzelnen Gruppen zu hospitieren. Kündigen Sie diese Hospitationen an und machen Sie deutlich, dass es Ihnen nicht um Kontrolle, sondern um Wertschätzung geht, und darum, einen Eindruck von der Arbeitssituation der Mitarbeiterinnen zu erhalten. Dies dient dazu, Ihr zukünftiges Handeln besser darauf abzustimmen.

Natürlich kommen Sie aus der Praxis und waren bis vor Kurzem selbst noch einer Gruppe zugehörig. Gerade aus diesem Grund ist es aber dennoch für Sie wichtig, Ihre Einrichtung und Ihr Team aus Ihrer neuen Leitungs-Perspektive zu betrachten. Hospitationen ermöglichen Ihnen, Ihren Mitarbeiterinnen ungezwungen zu begegnen, wenn eine Ebene des Vertrauens herrscht.

Sollten Sie Ängste und Unsicherheiten wahrnehmen, sprechen Sie dies als Leitung offen an. So signalisieren Sie Interesse – und das Ansprechen von Wahrnehmungen und Gefühlen kann erste Unstimmigkeiten aus dem Weg räumen.

Schritt 5: Führen Sie Mitarbeitergespräche

Mitarbeitergespräche schaffen Transparenz und signalisieren Wertschätzung. Die empfundene Wertschätzung wiederum führt häufig zu einer erhöhten Motivation. Gerade dann, wenn Sie aus dem Team heraus die Leitungsposition übernehmen, können Verunsicherungen auf beiden Seiten auftreten. Vielleicht kommt es auch zu Konflikten, beispielsweise, wenn Missgunst entsteht, man Ihnen die neue Position nicht zutraut oder sich eine weitere Kollegin vielleicht auch auf die Stelle beworben hatte.

Hier helfen Mitarbeitergespräche dabei, offen und ehrlich gegenseitige Erwartungen zu kommunizieren und daraus einen für beide Seiten gewinnbringenden Weg des Miteinanders zu finden.

Info: Was ist das Ziel von Mitarbeitergesprächen?

Mitarbeitergespräche dienen dazu, jedem Teammitglied eine Rückmeldung zu seiner Arbeit zu geben. Es werden Ziele transparent gemacht, der Sinn der Arbeit aufgezeigt, Kompetenzen reflektiert, Potenziale sichtbar gemacht, Partizipation ermöglicht und Vertrauen geschaffen. Sie sollten in regelmäßigen Abständen, mindestens ein Mal im Jahr, stattfinden.

Als Leitung profitieren auch Sie von den Gesprächen, da Sie zum Beispiel Ihre Mitarbeiterinnen besser kennenlernen, Struktur in die Arbeitsabläufe bringen, Missverständnisse ausräumen, sie in ihrer Rolle stärken, Kooperation ermöglichen und zukünftige Ziele aufzeigen.

Schaffen Sie eine positive Atmosphäre. In diesem Gespräch geht es zunächst einmal um ein „neues“ Kennenlernen. Daher ist es wichtig, dass Sie auf die Erwartungen und Wünsche eingehen und keine Beurteilungen vornehmen. Sehen Sie das Gespräch als Chance für einen Neubeginn als Leitung der Kindertagesstätte.

Tipp: Bleiben Sie authentisch in Ihrer Leiter-Rolle

Authentizität ist wichtig, denn Ihre Mitarbeiterinnen kennen Sie bereits als Kollegin und werden auch kleinste Verunsicherungen wahrnehmen. Kommunizieren Sie dann lieber offen und ehrlich eigene Unsicherheiten in „Ich-Botschaften“, als dass Sie versuchen, diese durch eine beispielsweise autoritäre Art zu überspielen. Sagen Sie zum Beispiel: „Ich habe das Gefühl, dass du unzufrieden mit der Neubesetzung der Leitungsstelle bist. Nehme ich dies richtig wahr?“

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