Gesprächsführung: Mit 4 Ohren hören – Artikel

Elterngespräche gehören zum täglichen Miteinander in der Kita und das Gespräch wird als alltäglichste Form der Kommunikation gesehen. Das gesprochene Wort scheint dabei machtvoll zu sein: Es schafft Verbindung, ermöglicht Begegnung, gibt Sicherheit und vieles mehr. Doch wie kann Kommunikation gewinnbringend für beide Seiten verlaufen? Der folgende Beitrag beleuchtet die vier wichtigsten Kommunkationsaspekte.

Herausgeber: Melanie Gräßer, Eike Hovermann
Autorin: Daniela Sauermann
Bild: GettyImages/ KidStock

Gesprächsführung: Was ist eigentlich Kommunikation?

„Als Kommunikation bezeichnen wir das Übermitteln von Informationen zwischen einem Sender und einem Empfänger. Kommunikation ist somit ein wechselseitiger Austausch und das gemeinsame Verfertigen von Ideen und Gedanken in Sprache, Gestik, Mimik, Schrift oder Bild. Kommunikation zwischen Menschen hat die Ziele, aufmerksam zu machen, Informationen und Wissen zu vermitteln sowie Partnerschaften und Beziehungen zu begründen.“ (Mienert; Vorholz, 2007)

Doch Kommunikation ist manchmal auch schwierig; es kann zu Störungen zwischen Sender und Empfänger kommen. Dann fragt man sich: Wie kann es sein, dass es Verständigungsprobleme gibt, wenn ich meiner Meinung nach ganz klar gesagt habe, was ich meine oder will? Und bei meinem Gegenüber ist offensichtlich etwas ganz anderes angekommen.

Nach dem Kommunikationsmodell von Schulz von Thun (1981) sind Gespräche und deren Inhalte nie ganz eindeutig. Denn in ein und derselben Nachricht können vier ganz unterschiedliche Aspekte transportiert werden.

Aspekte des Kommunikationsmodells nach Schulz von Thun

  1. Sachaspekt: Worum geht es?
  2. Selbstaussage: Welche Informationen gebe ich durch die Nachricht über mich preis?
  3. Beziehungsaspekt: Wie stehe ich zu meinem Gegenüber/Gesprächspartner?
  4. Appell: Was möchte ich erreichen?
Mit 4 Ohren hören | Schwierige Elterngespärche in der Kita - und wie sie gelingen Praxisratgeber für die Kita

Beispiel einer Gesprächsführung:

Frau Berthold hat Lisas Mutter, Frau Kämmerer, beim Abholen ihrer Tochter Lisa angesprochen: „Frau Kämmerer, es hängt eine Liste am Infobrett für das Sommerfest. Tragen Sie sich bitte noch ein?“

  1. Sachaspekt (Worum geht es?)
    Am Infobrett hängt eine Liste für das Sommerfest. Auf dieser Liste sollen die Eltern eintragen, was sie mitbringen.
  2. Selbstaussage (Welche Informationen gebe ich durch die Nachricht über mich preis?)
    Ich bin in Sorge, dass die Unterstützung seitens der Eltern nicht ausreicht und wir zu wenig Essen und Trinken auf dem Sommerfest haben. Wenn das so ist, müssen wir Erzieherinnen diesen Part auch noch übernehmen.
  3. Beziehungsaspekt (Wie stehe ich zu meinem Gegenüber/Gesprächspartner?)
    Auch wenn es nicht klar aus dem Beispiel hervorgeht, wären folgende Interpretationen möglich: Ich finde, Frau Kämmerer ist faul und ich kann sie nicht ausstehen. Sie ist vergesslich. Sie hat viel um die Ohren, ist aber trotzdem ganz nett. usw. Natürlich sind hier ebenso Kombinationen möglich.
  4. Appell (Was möchte ich erreichen?)
    Frau Kämmerer soll sich in die Liste eintragen und etwas zum Sommerfest mitbringen.

4 Ohren hören

Wenn der Sender – bildhaft gesprochen – mit 4 Mündern eine Nachricht sendet, wird der Empfänger diese entsprechend mit 4 Ohren aufnehmen und interpretieren. Schauen wir uns gemeinsam an, was Lisas Mutter gehört haben könnte:

  • Sachohr (Worum geht es?): Es geht um das Sommerfest. Alle Eltern, also auch ich, sollen etwas mitbringen. So etwas muss geplant werden, daher die Liste.
  • Selbstoffenbarungsohr (Was sagt mir der Sender über sich?): Frau Berthold ist sehr gewissenhaft und kümmert sich immer gern um das Wohl aller.
  • Beziehungsohr (Wie stehe ich zu meinem Gegenüber/Gesprächspartner?): Vielleicht mag Frau Berthold mich nicht, weil ich hin und wieder mal etwas vergesse oder ihre Listen nicht sehe.
  • Appellohr (Was möchte mein Gegenüber erreichen?): Ich soll mich jetzt verbindlich in die Liste eintragen.

Es gibt vier Ebenen und Lisas Mutter hat die Möglichkeit, auf allen vier Ebenen zu hören, um zu entscheiden, was sie verstanden hat. Ob sie die Information tatsächlich auf dem Ohr aufnimmt, an das es der Sender gesendet hat, wird nicht deutlich.

Lieblingsohr

Im Laufe unserer Lebensgeschichte entwickeln wir bestimmte „Lieblingsohren“ heraus. Haben Sie auch eines? Überprüfen Sie immer wieder, mit welchem Ohr Sie bevorzugt die Botschaften der Eltern hören.

Das 4-Ohren-Modell bietet Ihnen die Möglichkeit, jederzeit Ihr Kommunikationsmuster zu hinterfragen:
• Auf welchem Ohr nehmen Sie Elternaussagen am meisten wahr?
• Bei welchen Eltern fühlen Sie sich schnell(er) angegriffen? Gibt es Unterschiede zu anderen Eltern?
• Was wurde wirklich (wörtlich) gesagt und was ist bei Ihnen angekommen? Wie haben Sie es interpretiert?
• Wie eindeutig und klar formulieren Sie?

So lassen sich Missverständnisse und Konflikte eher vermeiden.

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