ePrivacy and GPDR Cookie Consent by Cookie Consent Der Beginn einer neuen Zeit: Fachberatung vom Sofa aus| Klett Kita

Der Beginn einer neuen Zeit: Fachberatung vom Sofa aus

Termine vor Ort, persönliche Gespräche und Workshops – das war einmal. Corona hat uns zu Stubenhockern gemacht und Fachberaterinnen zu Computer-Expertinnen. Ingrid Schulz erzählt, wie Beratung im Netz funktionieren kann, welche Unterstützung Kitas jetzt dringend brauchen und was der große Gewinn aus dieser schwierigen Zeit ist.

Interview: Heide Grehl, TPS-Redaktion
Bild: ©pixedeli/GettyImages

Corona traf uns alle wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Wie hat sich denn Ihre Arbeit in der Zeit verändert?

Ingrid Schulz: Tatsächlich war das für mich am Anfang ein Schock. Ich war unterwegs zu einem Präsenzseminar in Hannover und auf dem Weg dorthin kam der Anruf: Es wird alles abgesagt. Als ich dann wieder zu Hause war, wurden weitere Termine gecancelt – und zwar alle. Egal ob bei Fortbildungsträgern, im Coaching-Bereich oder bei Kitas. Klar, denn das Vor-Ort-Sein ging nicht mehr, die Kitas hatten zu und waren zum Teil nicht mal erreichbar. Da war mein erster Gedanke schon: „Oh je! Wie geht das weiter?“ Mir war aber schnell klar: Ich muss was tun. Ich hab mich mit einer Kollegin ausgetauscht und wir haben versucht, die Kitas zu erreichen. Denn denen ging es ja nicht anders als uns, die standen genauso unter Schock. Einige waren dann sofort begeistert, dass wir uns online vernetzen konnten. Das war Neuland für mich – und für die meisten Kitas –, weil es einfach nicht gang und gäbe war. Man hat sich eben vor Corona immer persönlich getroffen.

Sie haben also viele Kitas abtelefoniert und gefragt: Was braucht ihr jetzt, was können wir für euch tun?

Als Erstes haben wir die Kitas, die wir regelmäßig beraten, angerufen. Und die freuten sich darüber, dass ein vernetzter Kontakt von außen da war. Ich habe außerdem mit anderen Fortbildungsreferenten gesprochen, die ebenfalls versuchten, über Online-Portale in Kontakt zu bleiben und Angebote zu machen. Der Beginn einer neuen Zeit war das. Und alle wollten mitmachen! Ich habe niemanden, der in der Beratung steht, erlebt, der zu Hause saß und nichts gemacht hat. Alle wollten aktiv werden und etwas für die Kitas tun.

Was brauchten die Kitas in der Corona-Anfangsphase am dringendsten?

Am Anfang ging es vor allem darum: Wie können die Fachkräfte Kontakt halten mit Kindern und Eltern? Da gab es einige, die sofort kreative Ideen entwickelt haben und auch gleich versuchten, sich online an die Familien zu wenden – und welche, die gar nichts gemacht haben. Die waren in einer richtigen Schockstarre.

Wie konnten Sie die Kitas hier unterstützen?

Wir haben gemeinsam überlegt, Ideen entwickelt, Kontakte unter den Kitas hergestellt. Wir wollten in Austausch bleiben. Der nächste Schritt war dann zu überlegen: Was brauchen die einzelnen Kitas und die Kinder, wenn sie wieder zurückkommen? Denn die ersten Kinder kamen ja relativ schnell in die Notbetreuung. Die große Sorge war hier: Was erleben die Kinder in dieser Zeit der großen Verunsicherung? Wenn sie merken, dass Eltern und Fachkräfte auch unsicher sind, da es jeden Tag etwas Neues gibt? Wir haben dann eine Praxishandreichung erstellt, die wir per Mail verschickt haben und die man im Netz abrufen kann unter www.werkstattkitaqualitaet.de. Darin geht es um Wege zurück in einen neuen Alltag mit Corona. Da haben wir dann auch schnell gemerkt: Die Digitalisierung in unserer Branche steckt noch total in den Kinderschuhen.

Hat sich in Sachen Digitalisierung denn jetzt schon was verändert?

Es gab Träger, die waren schon vor Corona fit. Bei ihnen konnte ich meine Präsenzberatung sofort auf eine Online-Beratung umstellen. Dann gibt es andere, die sagten: Wir haben in der Kita nicht überall Netz oder keine passenden Geräte. Bei denen haben aber viele dann ihre privaten Geräte genutzt, was wiederum vorher mit dem Träger abgeklärt werden musste.

Aus Präsenzberatung wurde also Online-Beratung …

Manchmal ging das, ja. Da haben wir richtige Workshops gemacht – genau das, was wir sonst vor Ort gemacht hätten. Oft wurde aber alles abgesagt. Aber manche konnten wir überzeugen, die haben dann gesagt: Okay, wir versuchen das jetzt mal. Ich bin jedenfalls sehr dankbar, dass wir das gewagt haben, und danke auch den Kolleginnen und Kollegen, die mich sehr unterstützt haben. Das war für mich ja auch eine neuen Herausforderung.

Haben sich die Themen Ihrer Workshops geändert? Geht es also nur noch um Corona?

Nein, nicht ausschließlich. Seite Ende April wünschen sich viele wieder die pädagogischen Themen, um in die Zukunft zu denken und zu wissen: Es geht weiter. Und das ist auch etwas, was wir den Leuten immer wieder angeboten haben: Nutzt diese Zeit. Viele waren zum Teil freigestellt oder im Homeoffice, sie hatten die Zeit, weil die Kinder noch nicht da waren. Jetzt sind sie wieder da, aber es fehlt an manchen Orten noch mehr Personal als schon vor Corona.

Was ist gerade das wichtigste Thema für die Kitas?

Schon in der Notbetreuung hatten viele das Gefühl: Betreuung steht vor Pädagogik, weil die Hygienevorschriften so streng waren. Und das fragen sich auch jetzt viele: Wie sollen wir die Pädagogik, wie wir sie gelebt haben, noch aufrechterhalten, wenn uns zu den Verordnungen auch noch einige Fachkräfte wegbrechen, weil sie zur Risikogruppe gehören? Hier beraten wir und versuchen zu vermitteln, dass offene Arbeit nicht heißen muss, dass alle Türen offen sind, sondern dass es darum geht, offen zu sein für die Bedürfnisse der Kinder. Es geht um Beobachtung: Was können die Kinder, was brauchen sie? Und wie können wir unsere Einrichtung immer wieder verändern, dass wir den Bedürfnissen der Kinder gerecht werden? Hier gibt es keine Pauschallösung, man muss jede Kita individuell betrachten.

Wichtig ist natürlich auch die Frage: Was brauchen die Kinder, wenn sie zurückkommen? Was brauchen sie für ein Gegenüber, welches Verständnis brauchen die Eltern? Welche Entwicklungsschritte haben die Kinder gemacht? Sicher ist: Die Eltern haben Hochleistungen gebracht. Und genau diese Anerkennung ist jetzt wichtig. Deshalb haben wir auch einen Rückkehrbogen entwickelt, also einen Fragebogen für Eltern, in dem unter anderem gefragt wird, welche Spielthemen die Kinder hatten, als die Kitas geschlossen waren, ob sie viel draußen oder eher drinnen waren und in welchen Bereichen Fortschritte zu erkennen sind. Aber nicht nur die Eltern leisten viel – natürlich auch die Fachkräfte! Und die müssen jetzt auch die Rückversicherung kriegen: Ihr macht das gut.

Sie sind zum Teil jetzt wieder vor Ort, machen aber auch noch viel online, oder?

Ja, genau. Es gibt natürlich viel weniger Präsenztermine als sonst, manche Träger sind noch sehr vorsichtig. Zwar dürfen diese Termine unter den bekannten Bestimmungen wieder stattfinden, aber oft bleiben die Anmeldungen aus, weil die Fachkräfte keine Zeit haben oder noch nicht mit so vielen Fremden in einem Raum sein wollen. Wann sich das wieder ändern wird, weiß keiner. Da bleibt natürlich auch für uns Fachberaterinnen eine große Unsicherheit.

Zum Glück kann man vieles online umsetzen, die Angebote anders gestalten, in dem man sie etwa in verschiedene Module aufteilt, die Gruppen kleiner macht. Das ist der große Gewinn aus der Zeit jetzt: Man hat erkannt, was Online-Tools alles möglich machen können. Und ich hoffe auch, dass das in Zukunft bleibt – Präsenz und online zu verbinden. Man trifft sich erst mal, lernt sich kennen, dann gibt es weitere Termine zur Vertiefung im Netz.

Ingrid Schulz ist freiberufliche Fachberaterin, Fortbildungsreferentin, Begabtenpädagogin und arbeitete lange als Leiterin einer Kita.

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