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Bald geht die Schule los! Was Vorschüler jetzt brauchen

Wenn der Wechsel in die Schule bevorsteht, klopft schon mal die Furcht an. Bei den Kindern und den Eltern. Wie Kita-Leiter Alexander Forsthuber die größten Sorgen mit einem selbst gedrehten Film vertreiben will und warum ein klein wenig Angst gar nicht so schlimm ist, erzählt er uns im Interview.

Interview: Heide Grehl, TPS-Redaktion
Bild: © TatyanaGI/GettyImages

Sie haben in Ihrer Kita einen Film für die Eltern der Vorschüler gedreht. Wie kamen Sie auf die Idee?

Alexander Forsthuber: Sehr viele Eltern fragen bei uns nach Material für die Großen in der Kita. Wir Einrichtungsleitungen beim Träger Polifant arbeiten sehr eng zusammen und tauschen uns natürlich auch über das Thema Vorschule aus. So entstand zuerst die Idee für einen Wochenplan mit Materialien zum mathematischen Bereich und zum Schriftspracherwerb, den wir regelmäßig an die Eltern rausschicken. Außerdem bereitet jede Hausleitung abwechselnd ein Schwerpunktthema für die anderen vor. Und ich habe mich schon vor einiger Zeit auf das Thema Schuleintritt vorbereitet. Und das hat jetzt super gepasst: Die Eltern wissen offensichtlich nicht so wirklich, worauf sie sich einstellen müssen, damit ihre Kinder erfolgreich in die Schule starten können. Unsicherheit ist einfach immer schlecht, wenn es um bedeutsame Veränderungen im Leben geht.

Deshalb wollten wir den Eltern noch mehr Info geben, damit sie ein vollständiges Bild haben, was der Wechsel in die Schule bedeutet. Denn nicht nur das Kind wechselt in die Schule – auch die Eltern. Sicher sind schulnahe Kompetenzen da wichtig, aber eben nur ein kleiner Teil des gesamten Bildes. Wenn man sich die Forschung anschaut und sieht, was denn nun wirklich belegbar zum Erfolg beiträgt und was nicht – dann sind die schulnahen Fähigkeiten ein relativ kleiner Teil.

Wir verstehen uns als Bildungseinrichtung mit offenem Konzept, das dazu führt, dass die Kinder selbstbewusst sind und sich ausprobieren können. Außerdem lernen sie, Problemlösestrategien zu entwickeln und auf neue Aufgaben freudig und mit Mut zugehen. Und das ist für mich der allerwichtigste Punkt. Ein Kind kann etwa in Mathematik sehr begabt sein –wenn es aber mit Ängsten belastet und unsicher ist, wird esdavon nicht profitieren können. Lust aufs Lernen haben sie ohnehinalle. Das war uns auch besonders wichtig, den Eltern das mitzuteilen: Kinder wollen lernen und die Welt begreifen. In den meisten Fällen reicht es, wenn wir ihnen dabei nichtim Weg stehen! (lacht)

Wie haben Sie den Eltern das nahegebracht im Film?

Den Film, der knapp fünfzig Minuten dauert, haben ich und mein Kollege Christoph Kunze aus der Einrichtung in Zuffenhausen in zwei Teile aufgebaut. Wir starten mit der Schulreife, dann kommen Erkenntnisse aus der Lerntheorie, und wir enden mit einem transitionstheoretischen Blick auf Schulreife. Was wirklich bedeutsam ist, sind die Identitätsänderungen – nicht nur vom Kind, sondern von der gesamten Familie. Die Eltern werden jetzt Mutter oder Vater von einem Schulkind, und das Kind wird Schulkind. Aber am ersten Tag noch nicht! Da gibt man ein Kind in der Schule ab, das im Idealfall Lust hat und Mut und Freude daran, ein Schulkind zu werden. Genau darauf gehen wir auch ein: In Studien wurden Eltern befragt, ab wann sie das Gefühl hatten: Mein Kind ist Schulkind. Bei manchem kam das erstim zweiten Schuljahr. Und das ist okay so.

Was wir besonders hervorheben wollen ist das Prozesshafte. Um wirklich konkret zu werden stellen wir auch die Verwaltungsvorschrift vom Kulturministerium zur Zusammenarbeit von Kita und Schule vor. Hier gibt es vier Bereiche, nur ein kleiner bezieht sich auf spezifischschulnahe Fähigkeiten wie Mathematik und Schriftsprache. Bei den anderen geht es um Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit. Das wollen wir nochmals ganz klar sagen: Wir bereiten die Kinder vor, wir sind eine Bildungseinrichtung, aber wir spielen nicht Schule. Wir setzen uns nicht hin und malen mit den Kindern Buchstaben. Denn obwohl wir uns als Bildungseinrichtung verstehen, gehen wir anders vor als die Schule. Wir zeigen den Kindern, dass Lernen etwas Schönes ist. Das Beste ist doch, wenn die Kinder eine Aufgabe meistern und ein Erfolgserlebnis haben. Und genau das gelingt im offenen Konzept besonders gut.

Wichtig ist uns auch, den Kindern zu vermitteln: Ihr seid jetzt die Größten hierin der Kita. Ihr habt besondere Rechte, aber auch Pflichten, etwa bei Ausflügen. Damit sie merken: Es ändert sich was.

Dieses Gefühl:„Wir sind die Großen hier in der Kita“, fällt jetzt gerade weg wegen Corona. Kann man das irgendwie auffangen als Kita?

Durch die engen Vorschriften, was die Präsenz in der Kita betrifft und das Zusammentreffen größerer Gruppen, können wir außer Notbetreuung im Moment nichts anbieten. Aber durch den Film und den Wochenplan für die Kinder versuchen wir hier gegenzusteuern und die Verbindung zur Kita zu halten. Kolleginnen aus meiner Einrichtung in Ditzingen haben etwa Pflanzenschaukästen mit Samen bestückt, den Kindern aber nicht verraten, welche das sind. Dann haben sie ein Video gedreht mit ein paar Hinweisen und die Kinder durften raten, was da wohl wächst. Die Pflanzen werden jeden Tag fotografiert, die Kinder kriegen Bilder und können beim Wachsen zugucken.

Das ist ein Angebot für alle, nicht nur die Vorschüler. Alles was die Kinder lernen – übrigens nicht nur hier in der Kita – trägt zu ihrer Entwicklung als Mensch bei, und ich sehe nicht, wo man hier den großen Schnitt machen sollte, um speziell auf Schule vorzubereiten. Genau davon würde ich gern wegkommen. Denn daher kommt auch der Gedanke: Jetzt tickt die Uhr, jetzt geht’s bald in die Schule. Das macht Angst. Und die Lehrerinnen und Lehrer denken wie wir hier in der Kita. Sie machen den Job, weil sie Kinder mögen und Eltern gern unterstützen. Die helfen und sind top motiviert. Sie sind Fachleute ,und sie sind froh über jedes Kind, das es schafft. Also keine Angst!

Das Ziel des Films waralso, den Eltern zu vermitteln: Vertraut euren Kindern und euch selbst?

Ja, genau. Wir wollen den Eltern zeigen: Sie haben so viele Transitionen im Leben ihrer Kinder schon gemeistert – dann schaffen sie auch diese. Wir wollen den Eltern außerdem auch vermitteln, dass es okay ist, diese Zeit als stressreich zu empfinden. Wenn man an bedeutsame Zeiten in seinem Leben zurückdenkt, waren die oft mit Stress verbunden. Das heißt aber nicht, dass sie nicht auch schön waren. Im landläufigen Sinn wird Stress negativ gebraucht, in der Pädagogik bedeutet Stress eine Herausforderung. Ohne dieses mulmige Gefühl im Bauch gibt’s auch keinen Anstoß zur Entwicklung. Wer es geschafft hat, ein Kind sechs Jahre großzuziehen, der hat schon so viel geschafft, der wird auch noch mehr schaffen.

Alexander Forsthuber, 37, ist Kindheitspädagoge und leitet die Kita Blaugarten in Ditzingen bei Stuttgart des freien Trägers Polifant.

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