Kinder in Suchtfamilien – übergebe ich das Kind an der Kita-Tür an seinen alkoholisierten Vater?

Ansprechen statt wegsehen, helfen statt verurteilen! Wir leben in einer liberalen Gesellschaft, in der der Konsum von legalen und illegalen Stimulanzien weit verbreitet ist. Sie müssen davon ausgehen, dass unter den Kindern, die Ihre Einrichtungen besuchen, einige in suchtbelasteten Familien aufwachsen. Das stellt Sie vor eine doppelte Herausforderung.

Text:Dr. Thomas Neubacher-Riens | Foto: iStock/Thinkstock

1. Der Umgang mit suchterkrankten Eltern
Die erste Herausforderung ist der Umgang mit suchterkrankten Eltern. Hier haben Sie kritische Situationen zu meistern, die von Unzuverlässigkeiten im Kita-Alltag bis hin zu Abholszenarien, die das Kindeswohl gravierend gefährden, reichen. Als Leitung erwächst Ihnen eine doppelte Verpflichtung. Sie haben das Kindeswohl im Blick und die Fürsorgepflicht für Ihre Mitarbeiterinnen, denen Sie einen klaren Handlungsrahmen bieten müssen. Neben Handlungssicherheit in kritischen Situationen brauchen Sie eine Langzeitstrategie in der Elternarbeit gegen die Langzeitproblematik Sucht:

1) Der Handlungsleitfaden unterstützt Sie in Abholsituationen, bei denen Sie den Eindruck haben, dass die Eltern aufgrund, von Suchtmitteln, ihrer Aufsichtspflicht nicht ausreichend nachkommen können. Kinderschutz hat immer Vorrang vor Elternrecht.

2) Suchen Sie das Gespräch mit den Eltern, bei dem zu Beginn immer Ihr Hilfsangebot im Vordergrund steht. Führen Sie ein weiteres Klärungsgespräch, wenn das erste ergebnislos verlief. Erst in allerletzter Instanz führen Sie ein Konsequenz-Gespräch mit den Eltern, bei dem Sie auch Experten, zum Beispiel von der Drogenberatung einbeziehen.

2. Der Umgang mit Kindern aus Suchtfamilien
Die zweite Herausforderung bezieht sich auf die Kinder, deren ungünstiges Familienumfeld ihre Entwicklung teilweise massiv schädigt. Sie müssen in der Lage sein, das spezifische Verhalten der beeinträchtigten Kinder zu erkennen, um in der pädagogischen Tagesarbeit ein Gegengewicht des Vertrauens und der Verlässlichkeit zu schaffen.

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Das Heldenkind
Dem Heldenkind helfen Sie, indem Sie ihm, ohne dass es Leistungen erbringen muss, jene klaren Strukturen (Sicherheiten) bieten, die es sich sonst zu erarbeiten sucht. Das kann Lob, Bestätigung, Aufmerksamkeit oder die Kuscheleinheit sein, ohne dass es etwas herzuzeigen gäbe.

Das Schwarze-Schaf-Kind
Sehen Sie durch das Etikett Problemkind hindurch und schenken Sie diesen Kindern Aufmerksamkeit, bevor sie durch destruktives Verhalten unabdingbar wird. Das kann dadurch geschehen, dass dem Alles-Klein-Krieger eine leistbare Verantwortung
übertragen wird.

Das unsichtbare Kind
Geben Sie diesen Kindern die Chance, sichtbar zu werden. Während Helden-Kinder gute Gefühlskontrolleure sind, schwarze Schafe von negativen Gefühlen leben, drohen unsichtbare Kinder, den Kontakt zu ihren Gefühlen ganz zu verlieren. Halten Sie die Interaktion mit diesen Kindern aufrecht. Sie dürfen sich in der Kita ärgern, ängstigen, freuen und feiern.

Das Clown-Kind
Die lustige Seite des Kindes ist eine sehr funktionale Fassade. Fähigkeiten und Gefühle, die von der Rolle abweichen, können nicht ausgelebt werden, weil diese Kinder wissen, wie sie Beifall und Anerkennung durch dieses eine Rollenmuster erlangen. Fördern Sie gezielt andere Talente des Kindes, die dem Rollenmuster des Clowns nicht entsprechen. Das kann das Überbringen einer ernsten Mitteilung von der Erzieherin an die Leitung sein.

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