13.01.2022
Kati Nguimba
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Offen für die Ideen der anderen

Achtsame Kommunikation gehört zu den wichtigsten Fähigkeiten des Führungspersonals. Eine Kitaleiterin berichtet von ihren Erfahrungen in der Praxis.

Kommunikation gehört in einer Führungsposition zu den wichtigsten Aufgaben. Es fordert die Führungskraft heraus, mit den Mitarbeitenden in einen Dialog zu gehen, um gemeinsam Lösungen für schwierige Situationen oder Probleme zu finden. Dafür sind bewusste Kommunikation und gute Ausbildung nötig. Die Leitung muss grundsätzlich der Überzeugung sein, nicht als einzige alles zu wissen und zu können, sondern sich selbst Fehler und auch der anderen Person Expertise zugestehen. Das hört sich absolut richtig und selbstverständlich an. Trotzdem erfordert es immer wieder Übung und Reflexion, um diesem Anspruch gerecht zu werden. Worte können vieles bewirken. Und sie bleiben in unserem Gedächtnis. Was wir achtlos so dahingesagt haben, kann das Gegenüber möglicherweise nicht vergessen. Daher plädiere ich für eine achtsame Kommunikation. In vielen Konversationen geht es eher darum, die passende eigene Antwort zu geben und nicht darum, den Gesprächspartner zu unterstützen, seine Lösung zu finden. Mir ist wichtig zu hören, was meine Kollegen und Kolleginnen zu sagen haben. Mich dabei selbst zurückzunehmen, fällt nicht immer leicht. Ich rede selbst sehr gern und in meinem Kopf entstehen schnell einhundert Ideen zu einem Problem oder einer Frage. Genau da liegt auch die Schwierigkeit. Es sind meine einhundert Ideen und nicht die meiner Kollegin oder meines Kollegen. Was kann mein Gegenüber mit meinen Ideen anfangen? Im besten Falle fängt er oder sie Feuer und versucht, meine Ideen in die eigenen Gedanken einzuordnen. Viel mehr ist es jedoch wert, eigene Ideen zu entwickeln!

Zu eigenen Ideen animieren

Kennen wir nicht alle dieses Gefühl, wenn wir etwas für uns entdeckt haben und uns dafür begeistern? Dann verfolgen wir unser Ziel – komme, was wolle. Kinder kennen das auch. Ich beobachte in meiner Kita Mädchen und Jungen, die mit einfachen Plastikbechern Schlösser, Türme und Geburtstagstorten bauen und sich nicht beirren lassen, auch wenn das Gebilde immer wieder einstürzt. Über Tage hinweg verfolgen sie ihre Ideen. Die Bauwerke werden immer gewagter. Sie verfolgen ihr Vorhaben, bis sie erreicht haben, was sie wollen. Dann lassen sie neue Träume und Ideen entstehen. So ähnlich geht es mir auch mit meinen Ideen zu meiner Arbeit.

Von den Kindern lernen

Ich habe mich vor drei Jahren in eine neue Stelle eingearbeitet. Vor meiner Bewerbung hatte ich Gelegenheit, die Kita anzuschauen und mir einen Eindruck zu verschaffen. Ich bin also in meine neue Stelle schon mit einer eigenen Vorstellung von den Mitarbeitenden gegangen. Natürlich gab es bereits vor der Tätigkeit und dann gleich in den ersten Tagen zahlreiche Gespräche mit Vorgesetzten und Mitarbeitenden. In diesen kamen Probleme und Konflikte mit einzelnen Menschen zur Sprache, gepaart mit Empfehlungen, wie ich damit umgehen solle. Darüber habe ich viel nachgedacht. Am Ende habe ich mich entschieden, meinen eigenen Weg zu gehen. Denn nur dieser fühlte sich für mich richtig an. Die vergangenen drei Jahre haben mich bestärkt in meinen Vorstellungen. Ob der mir von meinem Vorgesetzten vorgeschlagene Weg am Ende nicht doch der bessere gewesen wäre, kann ich nicht sagen. Denn ich bin ihn ja nie gegangen. Ich muss mich jedoch mit meinen Wegen wohlfühlen. Sie müssen zu mir passen. Nur so kann ich authentisch und ehrlich als Leitungskraft agieren. Diese Möglichkeit will ich auch meinen Kollegen und Kolleginnen zugestehen. Daher höre ich gut zu, was sie zu sagen haben, was sie bewegt, welche Gedanken sie sich machen, welche Ideen sie für sich entwickeln. Offene Fragen helfen, eine Sache von unterschiedlichen Seiten zu betrachten und die Menschen zum Nachdenken zu bringen. Ich übe mich immer wieder darin, ins Gespräch über un terschiedliche Sichtweisen zu gehen und sparsam mit Ratschlägen umzugehen. Anregungen zu geben und sie auch als solche zu verstehen, ist eine gute Methode, die eigene Perspektive einzubringen. Offen zu bleiben im Hinblick auf das Ergebnis der Überlegungen, die andere Idee wertzuschätzen – und auch auszuhalten, dass nicht alles so läuft, wie ich es mir vorstelle. All das motiviert Fachkräfte, selbst Verantwortung für ihr Tun zu übernehmen. So gelingt es mir, zuzuhören, um zu verstehen und nicht, um die richtige Antwort zu geben.

Gut zu wissen

Eine achtsame Kommunikation gestalten:

  • zuhören, zuhören, zuhören
  • die guten alten Gesprächsregeln – aktiv zuhören, offene Fragen stellen, spiegeln
  • eigene Anregungen als einen möglichen Weg verstehen
  • offen sein für Ergebnisse und andere Ideen wertschätzen
  • „in den Schuhen der Anderen laufen“ – gelegentlich mal die Perspektive wechseln und die Welt mit anderen Augen sehen

Kati Nguimba leitet eine Berliner Kita. Außerdem arbeitet sie als Fortbildnerin und in der Fachberatung.

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