13.12.2022
Sibylle Münnich

Was ist Ihr Schallplattensatz?

Sie ist meist aus Vinyl und bleibt ab und an hängen: die gute alte Schallplatte. Wieso sie in der Kommunikation mit Eltern helfen kann, lesen Sie hier.

Tina ist genervt. Die Erzieherin hat eine klare Meinung bezüglich selbstbestimmtem Handeln von Kindern. Daher ist es ihr auch so wichtig, Tims Mutter zu sagen, dass sie ihn nicht zwingen wird, etwas zu probieren, das Tim verweigert. Sie hat sämtliche Argumente ausgepackt und diese der Mutter erklärt. Jedoch scheint nichts davon bei Tims Mutter anzukommen. Jeden Tag das gleiche Thema beim Abholen. Dabei versteht Tina, dass Tims Mutter die Essenssituation wichtig ist. Sie hat auch schon ein längeres Gespräch mit ihr geführt. Doch was Tims Mutter jetzt macht, findet Tina gar nicht gut: Sie geht nacheinander zu allen Kolleg:innen und zur Kitaleitung und fragt, wie sie das Ganze sehen. Eine schwierige Situation, doch zum Glück ist sich das Team einig. Jede:r antwortet Tims Mutter das Gleiche: In dieser Kita wird kein Kind zum Essen gezwungen.

Tina berichtet dies ihrer Kitaleitung Steffi. Die Kitaleitung fühlt sich mal wieder bestärkt darin, dass es sich lohnt, über elementare Dinge zu diskutieren, sodass die Mitarbeitenden bei herausfordernden Themen souverän antworten können.

Vor dem Schallplattensatz

Um klare Aussagen teamübergreifend zu tätigen, ist es wichtig, regelmäßig über elementare Themen im Team zu sprechen und zu diskutieren. „Leylas Vater will immer wieder wissen, wie wir hygienisch wickeln.“ „Fabianas Mutter fragt, warum wir bei Regen rausgehen.“ „Esras Mutter fragt jeden Tag, warum die Kinder keine Matschhosen anziehen.“ usw. Welche Themen werden von Ihren Kita-Eltern regelmäßig hinterfragt? Setzen Sie sich mit diesen auseinander und überlegen Sie sich mit Ihrem Team kurze Schallplattensätze. Dieser Begriff kommt daher, dass Schallplatten immer wieder hängen bleiben und die gleiche Phrase beliebig oft abspielen. Überlegen Sie sich gemeinsam einen kurzen Satz, der in der jeweiligen Situation angewandt werden kann.

Achtung: Schallplattensätze wirken nicht sehr einfühlsam, da sie nicht auf das Anliegen des Gegenübers eingehen. Sie kommunizieren im besten Fall eine klare Aussage und Ihre Meinung. Deshalb sollten sie immer bedacht angewandt werden. Das Ziel von Schallplattensätzen ist es, Energie zu sparen, da Sie immer wieder das Gleiche sagen und die eigene Meinung ganz klar aufzeigen. Wichtig: Wenn Sie mit einem Schallplattensatz Ihr Gegenüber auf einen anderen Zeitpunkt „vertrösten“, ist es fair, diesen klar zu benennen. Das verstärkt Ihre Zuverlässigkeit und gibt keinen Beziehungsbruch: „Ich gebe Ihnen morgen früh, wenn Sie Ihr Kind bringen, Bescheid.“

Tipp:

Üben Sie Schallplattensätze mit Ihrem Kita-Team. Bevor sich jede:r zum gleichen Thema immer wieder neue Argumente überlegen muss, geben Sie sich gegenseitig eine Hilfe für klare Aussagen und notieren Sie diese.

Schallplattensätze

  • vermitteln klare Aussagen: „Frau Müller, ich verstehe Ihre Aufregung. Was ich hierzu sagen kann, ist, dass uns ein selbstbestimmtes Essverhalten sehr wichtig ist, und wir dokumentieren, was Tim isst.“ (Schallplattensatz)
  • sind eine ständige Wiederholung der Aussage: „Ich verstehe Ihre Aufregung. Wie ich vorhin schon gesagt habe, ist, dass wir die Situation kennen und auf Tim achten.“ (Schallplattensatz)
  • bieten eine Hilfe in Situationen, die erst geklärt werden müssen: „Wie ich schon gesagt habe, muss ich erst mit meiner Kollegin sprechen, die bei der Situation dabei war. Ich gebe Ihnen morgen früh Bescheid.“ Daraufhin erwidert der Vater, dass er sehr verärgert ist, und Sie entgegnen: „Ich verstehe Ihren Ärger. Leider kann ich dazu nichts sagen, denn ich muss erst mit meiner Kollegin sprechen und ich gebe Ihnen morgen früh Bescheid.“
  • schützen vor unüberlegten Aussagen. Gerade in Bereichen, in denen sich die Fachkraft oder Praktikant:innen unsicher sind, können Schallplattensätze helfen, die Situation zu entschärfen: „Ich kann hierzu nichts sagen, aber meine Kollegin/meine Kitaleitung. Sie wird Sie heute noch anrufen bzw. morgen mit Ihnen darüber sprechen.“
  • geben Zeit: Bevor Sie unüberlegt „Ja“ zu etwas sagen, kommunizieren Sie, dass Sie noch Zeit zum Nachdenken oder zur Klärung brauchen.

Neu als Leitung

  • Beobachten Sie im Kita-Alltag, bei welchen Punkten es Ihnen wichtig ist, dass das Team an Eltern gemeinsame, klare Aussagen geben kann.
  • Lassen Sie jede Fachkraft in Ihrem Team fünf Elternfragen aufschreiben.
  • Überlegen Sie sich Statements und diskutieren Sie diese mit Ihrem Team.
  • Notieren Sie gemeinsam Statements, bei denen sich alle einig sind.
  • Schreiben Sie die Themen auf, über die das Team noch diskutieren muss.
  • Reflektieren Sie, bei welchen Eltern-Themen sich das Team einig sein muss.
  • Reflektieren Sie auch, in welchen Punkten es für Eltern keine Rolle spielt, wenn jede:r eine andere Meinung vertritt.

Sibylle Münnich kommunizierte als Erzieherin mit zahlreichen Eltern. Ihren Erfahrungsschatz gibt sie hier weiter.

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