01.09.2021
Ein Interview mit Jutta Häuselmann
KrizzDaPaul // GettyImages

Unsere neue Kita – Auf den Punkt gebracht

Eine Kita zu gründen ist eine komplexe Angelegenheit. Das hat unsere Interviewpartnerin Jutta Häuselmann selbst erlebt. Daher beantwortet sie kurz & knapp wichtige Fragen, die sich bei einer Kitagründung ergeben.

1.      Wobei wünschen sich Kita-Leiter:innen Ihrer Erfahrung nach die größtmögliche Unterstützung?

Die Ausprägung der Anforderungen hat sich in den letzten Jahren rasant verändert und ausgeweitet. Es fehlt für die Fülle der Aufgaben vor allem Zeit. Deshalb ist es wichtig, eine Freistellung für die Bürotä­tigkeit zu ermöglichen. Zudem finde ich die Unterstützung durch die Fachberatung bzw. den Träger oder Verrechnungsstellen bei Konflikten, Sorgen und Anliegen der Leitung oder der Mitarbeiter:innen – gerade bei der Suche und Einarbeitung neuer Kolleg:innen und Arbeitszeitgestaltung – wichtig.

2. Was sollte man mit Blick auf die Kinder bei einer neuen Kita bedenken?

Der Übergang in den Kindergarten bzw. die Krippe ist ein besonderer Moment. Dieser findet nicht nur am ersten Tag statt, sondern beginnt mit der Vorbereitung der Familie und endet mit der abgeschlosse­nen Eingewöhnung des Kindes. Kritisch ist ein passendes Eingewöhnungskonzept zu überlegen und festzulegen. Startet eine neue Einrichtung, sollte die Eingewöhnung der Kinder sehr gut geplant werden: zwei bis drei Wochen gilt es pro Kind zu rechnen. Das Personal muss eingeplant und der Alltag und die bereits eingewöhnten Kinder dürfen nicht vergessen werden. Gute Erfahrungen gemacht habe ich mit der Form einer Spielgruppe und der Eingewöhnung mehrerer Kinder – allerdings nur bei über 3-Jährigen und Kindern, die bereits einen Kindergarten besucht haben.

3. Welche drei Erwartungen von Mitarbeiter:innen kennen Sie, wenn es um die neue Kita geht?

Die Fachkräfte bauchen Raum und Zeit für Tür- und Angelgespräche, das Kennenlernen der Familien und Rückendeckung für die Eingewöhnung. Erwartungen gibt es auch an die Einrichtung selbst: Die Bauarbei­ten sollten abgeschlossen, die Gruppen eingerichtet, das Spielmaterial vorbereitet und das Außengelände fertiggestellt sein. Darüber hinaus sind ein positiver Austausch, ein gegenseitiges Zuhören und angemessener Umgang zwischen Leitung & Mitarbeiter:innen, Träger & Mitarbeiter:innen und Mitarbeiter:innen & Mitarbeiter:innen hilfreich.

4. Worüber haben Sie sich gefreut, als Sie in eine neue Kita gekommen sind?

Besonders gut hat mir die Gestaltung unter moder­nen und energetischen Gesichtspunkten des Gebäudes gefallen (Passivhausstandard). Die Aufteilung der Räume für die Kinder und die kindgerechte Gestaltung, ein Lager, das genügend Platz für Material und Putzuntensilien bietet und ein großzügiger Hauswirtschaftsbereich sowie günstige Verkehrswe­ge mit Parkmöglichkeiten für Mitarbeiter:innen und die Eltern.

5. Was begeistert pädagogische Fachkräfte und Kinder so gar nicht in einer neuen Kita?

Für die Eingewöhnung braucht es Zeit. Deshalb ist es wichtig, hier nichts übers Knie zu brechen! Für die Kinder ist es wichtig, dass Spielmaterial, Bücher und sonstiges Material vorhanden sind und ausreichen­des Mobiliar. Außerdem ist für Kinder ist ein sicherer Tagesablauf sehr bedeutsam. Hinzu kommt, dass der Bau fertig sein sollte, keine Gefahrenstellen für die Kinder vorhanden sind, Baumängel beseitigt und die Arbeiten erledigt sind. Denn diese Arbeiten führen nicht nur zu Unmut, sondern stören auch den Ablauf.

6. Worüber sollte sich eine Kita-Leitung einer neuen Kita im Klaren sein?

Sie ermittelt den Personalbedarf, formuliert Stellenanzeigen, führt Bewerbungsgespräche und wählt das Personal aus, sie begleitet die neuen Fachkräfte und kümmert sich um den Gesundheitsschutz. Dies erstreckt sich über einen langen Zeitraum. Eine Leitung sollte sich innerlich gut vorbereiten und sich mit ihren Aufgaben und Anforderungen vertraut machen.

7. Worauf sollte sie Ihrer Meinung nach die Prioritäten legen?

Diese Liste der Arbeitsaufgaben und Anforderungen ist lang. Im Mittelpunkt stehen die Kinder, ihre Fami­lien und deren positive Eingewöhnung. Es gibt neue Erkenntnisse aus der Hirnforschung, frühkindliche Bildung wird kontrovers diskutiert wie noch nie, Erziehungsratgeber, Lernprogramme, Testverfahren usw.

Man muss sie wenigstens mal kennengelernt, verstanden und mit den Kolleg:innen besprochen haben, um zu wissen, welche denn für die Einrichtung, die Eltern und Kinder, für die man täglich Dienst leistet, relevant, richtig und umsetzbar sind und welche man besser ablehnt. Zudem können Kita-Leitungen ein Coaching in Anspruch nehmen.

8. Welche Zusammenarbeit ist für Sie die wichtigste beim Entstehen einer neuen Kita?

Fachberatung, Trägervertreter, Bauleitung und Leitung – gemeinsam an einem Tisch.

9. Wer oder was sollte in die Planung der neuen Kita unbedingt miteinbezogen werden?

Der Standort! Ist die Einrichtung in einer kleinen Ge­meinde oder entsteht sie in einem belebten Stadtteil? Daraus ergeben sich verschiedenste Bedürfnisse der Familien. Ist der Bedarf ermittelt, wird ein geeigneter Träger für die Einrichtung gesucht. Welche Er­wartungen gibt es? Und was ist bei der Planung wichtig? Gemeindevertreter, Träger, Fachberatung werden miteinbezogen. Vielleicht ist auch schon die Leitungsstelle besetzt. Oder es ergibt sich ein Aus­tausch mit anderen Trägern, die gerade bauen oder planen und ihrer Erfahrungen gerne weitergeben.

10. Auf welche 3 Punkte sollte bei einer neuen Kita-Konzeption Ihrer Meinung nach Wert gelegt werden?

Partizipation, Ansatz der pädagogischen Arbeit und das pädagogisches Leitbild sowie Quali­tätssicherung.

11. Was wünschen Sie Kita-Gründer:innen?

Viel Kraft und Durchhaltevermögen vor allem bei der Suche nach geeigneten Fachkräfte und dem Bauvorhaben und der Begleitung

des Baus.

Ihnen hat dieser Beitrag zum Thema „Unsere neue Kita – Auf den Punkt gebracht“ gefallen? Weitere Tipps, Wissenswertes und Ideen finden Sie in unserer klein&groß. Hier bestellen!

Diese Produkte könnten Ihnen auch gefallen: