19.06.2023
Friederike Falkenberg

D-Zug im Ohr — Diagnose Tinnitus

In der Kita herrscht ein dauerhafter Geräuschpegel, es gibt zu wenig Fachkräfte für zu viele Kinder, jeder Tag birgt andere Herausforderungen, der Alltag ist laut und stressig: Der perfekte Nährboden für Tinnitus und andere Hörbeschwerden. Nicht selten leiden pädagogische Fachkräfte unter dem Dauergeräusch im Ohr. Wir werfen daher einen Blick auf mögliche Ursachen und zeigen Methoden auf, die dabei helfen, mit einem Tinnitus umzugehen.

Jedes Jahr erleiden laut Informationen der Deutschen Tinnitus-Liga (DTL) rund 10 Millionen Deutsche einen Tinnitus. Bei rund einem Viertel von ihnen wird dieser zur chronischen Belastung. Tinnitus – das ist der Fachbegriff für jegliche Art von Ohrgeräuschen. Fast jeder Mensch erlebt diese im Verlauf seines Lebens. Meist geht der Ton im Ohr aber schnell wieder weg. Wenn dem nicht so ist, kann das die Betroffenen sehr belasten.

Wie entsteht überhaupt ein Tinnitus?

Dafür gibt es mehrere Ursachen. Bei fast 43 Prozent der Tinnitus-Geplagten löste Lärmbelastung, zum Beispiel ein Knalltrauma, das Symptom aus. Doch auch bei Schwerhörigkeit, nach einem Hörsturz oder entzündeten Gehörknöchelchen (Otosklerose) zählt ein Tinnitus zu den häufigen Nachwirkungen. Wie Sie merken, ist Tinnitus nicht als eigene Krankheit zu werten. Vielmehr ist es ein Symptom mit vielen Auslösern. Ist man gestresst oder stark psychisch belastet, kann ebenfalls ein dauerhaftes Ohrgeräusch auftreten. Diese beiden Symptome bedingen sich auch gegenseitig und können einen nervenraubenden Kreislauf in Gang setzen. Durch starken Stress bekommt man einen Tinnitus, der wiederum wird lauter, je mehr man sich auf ihn konzentriert, was einen wieder unter Druck setzt, was wiederum den Tinnitus noch verstärkt

Gibt es Medikamente, die helfen?

Bisher gibt es keine Medikamente gegen Tinnitus. Die Behandlung konzentriert sich auf Selbsthilfegruppen und begleitende Therapien, mit dem Fokus auf eine Wahrnehmungsveränderung. Denn wer seinem Tinnitus keine Beachtung schenkt, hört ihn auch viel weniger.

Zusätzlich können, gerade für zusätzlich schwerhörige Menschen, auch sogenannte Cochlea-Implantate helfen. Sie ersetzen ein beschädigtes Innenohr und lassen dadurch die Störgeräusche verschwinden. Betroff ene können sich auch an die DTL wenden und erhalten dort Beratung für geeignete Behandlungen und Kontakte zu Selbsthilfegruppen. Mehr Infos dazu fi nden Sie auf der folgenden Seite. 


Info

Die Deutsche Tinnitus-Liga e.V. (DTL) und ihr Einsatz für die Lärmprävention

Als gemeinnützige Selbsthilfeorganisation unterstützt DTL-Betroffene von Tinnitus und verwandten Erkrankungen. Die Mitglieder aus unterschiedlichen Gesundheitsberufen betreuen Selbsthilfegruppen und setzen sich für mehr Lehre und Forschung sowie Therapiemöglichkeiten ein. Um eine dauerhafte Gehörschädigung schon bei Jugendlichen zu verhindern, klärt die DTL Fachpersonal über die Auswirkungen von Lärm auf. In Kitas können z. B. Maßnahmen in den Räumlichkeiten präventiv eingesetzt werden. Möchten Sie in Ihrer Kita Projekttage rund ums Hören durchführen, finden Sie mehr Informationen unter www.tinnitus-liga.de.


Stress und Lärm

Pädagogische Fachkräfte haben einen stressigen und anspruchsvollen Beruf. Häufig ist der Berufsalltag geprägt von Lärm, nicht selten über 80 dB (A). Das entspricht in etwa der Lautstärke eines Rasenmähers. Zudem gibt es zu wenig Pausen und Ruhephasen. Dabei sind diese für das Gehör und die Psyche sehr wichtig. 

Schadet Lärm auch Kindern?

Insbesondere für den Spracherwerb ist es wichtig, dass Wörter richtig verstanden werden. Ist es zu laut, können Wörter gar nicht oder falsch verstanden werden. Die Kinder ermüden schneller und können Gehörtes schlechter verarbeiten. Achten Sie daher bei Sprachbildungsangeboten auf einen Ort mit guter Akustik.

Was kann ich vorbeugend tun? Nehmen Sie sich bewusst im Team die Zeit, um über den Geräuschpegel in Ihrer Einrichtung zu sprechen. Auch mit kleinen Veränderungen können Sie Lärm eindämmen. Zum Beispiel Filzgleiter unter Tische und Stühle kleben, schallschluckende Vorhänge anbringen, Teppiche verwenden oder eine Lärmampel einführen. Schaffen Sie auch Raum für regelmäßige Ruhephasen und kleine Auszeiten – ob im Team, allein oder mit den Kindern. 

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