12.10.2021
Christiane Weise
romrodinka // GettyImages

Corona und du: Was meinst du dazu? – Teil 1: Perspektive Fachberatung

Seit weitaus mehr als einem Jahr ist Corona in den Kitas angekommen und damit stehen wir vor vielen Veränderungen und Herausforderungen. In dieser Artikelserie berichten zwei Kindertageseinrichtungen, eine aus Solingen und eine aus Wuppertal, über diese außergewöhnliche Zeit aus unterschiedlichen Perspektiven.

Mehr als ein Jahr Pandemie – was bedeutet das für mich als Fachberatung der Bethanien Diakonissen-Stiftung, die zurzeit sieben Kindertageseinrichtungen in vier Kommunen betreut?

Zu Beginn der große Schock durch den absoluten Lockdown. Alle Kitas von heute auf morgen zu, große Verunsicherung bei allen Beteiligten. So etwas hatten wir noch nie. Ja, sicher wurden schon Kitas aufgrund von Personalmangel vorübergehend geschlossen, aber aufgrund einer Pandemie? Mein Büro liegt in einem Verwaltungsbereich, angeschlossen an eine unserer Kitas. Gespenstische Ruhe im ganzen Haus, keine Kinderstimmen, kein Lachen, kein Weinen, keine Kinder im Außengelände. Erzieher:innen verunsichert. Was bedeutet das für uns?

Schnell wurde klar, dass nach sehr umfänglichen Aufräum- und Putzarbeiten ins Home-Office gewechselt werden musste. So konnte ich in Absprache mit den Leitungen sehr interessante wichtige pädagogische Themen zur Bearbeitung für die Mitarbeiter:innen in den Kitas ausarbeiten. Ich war sehr froh, denn auch meine Fachberatungstätigkeit wurde durch den Lockdown jäh unterbrochen. Durch die Ausarbeitung der Fachthemen beschäftigte auch ich mich noch einmal in Ruhe mit vielen inhaltlichen Dingen. Die Ausarbeitungen der Mitarbeiter:innen kamen zurück und wurden ausgewertet. So erhielten auch die Leitungen noch einmal wichtige Hinweise aus dem Team, wo stehen wir pädagogisch, wo sind Baustellen, woran müssen wir noch stärker fachlich arbeiten. Ich kann definitiv sagen, dass dieser erste Lockdown sehr intensiv genutzt wurde, sich intensiv mit Pädagogik auseinanderzusetzen.

Dann kamen die Kinder zurück, ich gehe nicht im Detail auf die teilweise sehr unbefriedigenden Vorgaben durch das Ministerium ein. Tagtäglich, bis heute, halten unzählige Mails dazu Einzug in meinen Account. Meine Beratungstätigkeit nahm wieder Aufwind, aber in anderer Form. Ich beschäftigte mich wieder weniger mit inhaltlichen, sondern mit formellen Dingen. Wie teilen wir die Betreuungssettings ein, wie gestalten wir die Öffnungszeiten, Reduzierung der Betreuungszeiten bzw. Ausweitung der Betreuungszeiten. Wie müssen Lei­tungen Eltern über welche Inhalte informieren? Wie positioniert sich der Träger zu bestimmten Vorgaben und Entscheidungen, wo übernimmt er Eigenverantwortung?

Viele Fragen, viele Unsicherheiten. Gleichzeitig mischten sich viele negative Gefühle in meine Tätigkeit. Warum werden Kitas immer erst nach den Grundschulen in allen öffentlichen Bereichen wie Zeitung, Fernsehen, Radio etc. erwähnt. Warum gibt es keine verbindlichen Aussagen zu den in Kitas zu betreuenden Kindern. Natürlich geht es den Kindern ohne Kita nicht gut, natürlich haben Familien große Betreuungsprobleme. Aber was ist mit den pädagogischen Fachkräften? Sicherlich möchte niemand in solchen Zeiten in politischer Verantwortung stehen, aber ein bisschen mehr Wertschätzung hätte ich mir für die Fachkräfte in meinen Kitas doch gewünscht. Denn sie haben sich tatsächlich für jede Veränderung, und das waren im letzten Jahr sehr viele, immer wieder flexibel zum Wohl der Kinder eingesetzt. Bis zum heutigen Tag sind unsere Kitas trotz des Appells und einiger Notbremsen zu ca. 70 - 80 Prozent gefüllt.

Nachdem nun mehr als ein Jahr in und mit der Pandemie gelebt wurde, müssen wir umdenken. Ich habe erkannt, dass wir uns in einer Übergangssituation befinden. Diese Einstellung hinderte mich teilweise daran, mich wieder verstärkt auf gute pädagogische Arbeit und Beratung zu konzentrieren. Sie hemmte auch meine Motivation und meine Kreativität.

Schluss damit! Auch wenn wir in festgelegten Betreuungssettings arbeiten, müssen wir für die Kinder alles möglich machen. Auch wenn wir nicht auf Funktionsbereiche, wie vor der Pandemie zuückgreifen können, müssen wir kreativ an neuen Formen arbeiten, wie z. B. monatliche Wechsel eines Funktionsbereiches im Gruppen- oder Nebenraum. Wenn wir keine altersheterogenen Kindergruppen aus allen Kindern der Einrichtung bilden können, müssen wir Kleingruppenangebote in sehr kleinen Formaten mehrfach durchführen. Wir müssen neue Formate für Projektgruppen entwickeln, Time Slots für Bewegungsräume erstellen, schauen welche Möglichkeiten, auch digital, für gute Elternarbeit entwickelt werden können. Wir müssen einfach wieder neu durchstarten.

Denn das, davon bin ich als Fachberatung und ehemalige Leitung überzeugt, dass können die Fachkräfte im Elementarbereich besonders gut. Sich immer wieder auf neue Gegebenheiten einstellen, kreativ sein und das Beste aus jeder Situation machen. Seit ich dieses Umdenken für mich als wichtig erkannt habe, bin ich motivierter und kann diese Motivation auch weitergeben. Ich habe viele neue Ideen und bin bereit, mich nicht von einer Pandemie unterkriegen zu lassen. Als großes Vorbild sehe ich tagtäglich die Kinder, die trotz allem so sehr anpassungsfähig sind, nicht jammern und mir durch ihre unbeirrbare Freude am Leben sehr viel Kraft geben.

Christiane Weise, Fachberatung der Bethanien Diakonissen-Stiftung in Frankfurt.

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