Lernort Esstisch: Wie wichtig sind Tischrituale für Krippenkinder?

Ein bisschen Tischkultur lässt sich auch mit den Kleinsten schon leben. Es müssen ja nicht gerade Stoffservietten und superhöfliche Manieren sein, aber einige Regeln können Sie auch mit den Krippenkindern schon aufstellen, von Anfang an und verlässlich wiederkehrend für alle Mahlzeiten. Ernährungsexpertin Stephanie Bourguignon verrät, wie und warum Regeln und Tischrituale den Mahlzeiten in der Krippe Struktur geben und was das zur Bildung beiträgt.

Text: Stephanie Bourguignon
Bild: ©Andrey Kuzmin/AdobeStock

Essen ist heute anders

Das Leben der Familie ist im Wandel. Die klassische Familie mit Oma, Opa, Eltern, Kindern gibt es kaum noch. Stattdessen wächst die Zahl der Alleinerziehenden und die Anzahl an Eltern, die beide voll berufstätig sind. Gleichzeitig gibt es nicht mehr das klassische Elternhaus. Familien unterscheiden sich zunehmend voneinander in ihren Nahrungsgewohnheiten, je nach Kultur, Herkunftsland, Einkommen, Bildung und persönlichem Geschmack. Was das mit der Krippe zu tun hat? Die Mahlzeiten sind direkt davon betroffen: Frühstück, Snackpause und Mittagessen erleben Kleinkinder nämlich vor allem in der Kita – und kaum noch zu Hause.

Selbst in Familien mit sprichwörtlich „guter“ Ess- und Tischkultur sind gemeinsame Mahlzeiten selten. Dann übernimmt die Kita die Aufgaben der Eltern und Großeltern. Die Kita ist ein sozialer Lernort, und das gilt auch und gerade beim Essen. Hier erlernen Krippenkinder das Essen in der Gesellschaft von anderen Kindern und Erwachsenen. Und nicht nur das selbstständige Essen, sondern auch alles, was noch dazu gehört: das Tischdecken, erste Tischmanieren, den Umgang mit Besteck und Gedeck und vieles mehr.

Tischlein, ich deck dich!

Schon die Tischgestaltung sollten Sie darum gemeinsam mit den Kindern übernehmen. Beziehen Sie die Kinder beim Herrichten des Esstischs mit ein. Decken Sie gemeinsam Geschirr und Bestecke ein. Dabei geht es nicht (in erster Linie) darum, dass alles am richtigen Platz liegt, sondern einfach ums Mitmachen, Dabeisein und Eingebundenwerden. Die Erfahrung, dass das Tischdecken als Tischritual jeden Tag passiert – und fast immer auf die gleiche Weise – gibt den Krippenkindern Sicherheit und Halt.

Schon nach kurzer Zeit passen die Kinder mit auf, bemerken, wo etwa ein Löffel fehlt und übernehmen auch selbst Verantwortung fürs Tischdecken. Dies kann das Selbstbewusstsein stärken und zur Selbsttätigkeit beitragen. Die älteren Krippenkinder genießen es, wenn sie den Tisch auch dekorieren dürfen, etwa mit Naturmaterial wie Blüten oder Laub. Und was uns Erwachsenen Augen- und Gaumenfreude ist, das mögen auch die Kinder: Richten Sie Speisen appetitlich auf Tellern und Tabletts an oder in Schüsseln, packen Sie Lebensmittel immer (auch bei kleinen Snacks) aus und achten Sie auch auf eine schöne Optik! Falls das nicht an jedem Tag der Woche möglich ist, dann richten Sie doch beispielsweise einen Thementag ein, bei dem die Kinder aktiv beim Anrichten mithelfen.

Tischregeln

Mahlzeiten sind so viel mehr als einfache Nahrungsaufnahme. In der Kita sind Mahlzeiten immer auch soziale Lernsituationen. Hier erfahren gerade Krippenkinder Gemeinschaft, denn in der Tischrunde können sich alle gut sehen und treten miteinander in Interaktion. Das Erlebnis, gemeinsam zu essen, kann sehr verbindend sein, und auch die jüngsten Krippenkinder sind hierfür sensibel. Wichtigste Regel: Um die Gemeinschaft zu üben, sollten alle – Kinder und Erwachsene – gemeinsam mit dem Essen beginnen. Hier sind geregelte und verlässliche Essenszeiten im Kita-Ablaufplan sehr wichtig. Wichtig ist aber auch als erste Regel, dass die Kinder erst dann mit dem Essen beginnen, wenn alle soweit sind. Dazu können Sie beispielsweise einen Tischspruch, ein Lied oder Gedicht einführen, dass vor dem Essen gesprochen/gesungen wird.

Zweite Regel: Die Mahlzeiten sollten in Ruhe eingenommen werden. Gerade jüngere Krippenkinder benötigen noch mehr Zeit, vor allem, wenn sie das selbstständige Essen noch üben. Planen Sie für die Krippenkinder Extrazeit ein! Strahlen Sie auch selbst Ruhe aus, auch wenn der dritte Becher umgestoßen wird. In großen Gruppen kann es helfen, beim ersten Teil der Mahlzeiten zunächst nicht zu sprechen, sondern sich gemeinsam aufs Essen zu konzentrieren.

Dritte Regel: Besteck! Natürlich können Ihre Zweijährigen noch nicht perfekt mit Messer und Gabel essen, aber Sie können die Kinder nach und nach schon an den Gebrauch von Besteck heranführen, beispielsweise mit einem Messer-Gabel-Löffel-Zeigespiel – je nach Alter der Kinder.

Vierte Regel: Erst wenn alle Kinder mit dem Essen fertig sind, verlassen sie den Tisch. Dazu gehört es auch, den Tisch wieder gemeinsam abzuräumen und die Lebensmittel wieder wegzuräumen, das Geschirr ordentlich zusammenzustellen und vielleicht den Tisch gemeinsam abzuwischen. Im Optimalfall erarbeiten Sie Ihre Tisch- und Essregeln mit den Kindern selbst und malen Sie gut sichtbar auf einem großen Plakat für alle auf.

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