„Ich bin Karla Kolumna“ – Unternehmenskommunikation in der Kita

Unternehmenskommunikation bei einem Kita-Träger? Das muss nebenbei gehen, glauben viele. Bei den Polifant Kindertagesstätten in Stuttgart ist man anderer Meinung und hat Daniel Pfeiffer eingestellt, der das, was dort geleistet wird, nach außen trägt. Was das alles mit der rasenden Reporterin von „Benjamin Blümchen“ zu tun hat? Lesen Sie selbst …

Text: Heide Grehl Foto: Daniel Pfeiffer

Info:

Daniel Pfeiffer ist 33 Jahre alt und stammt aus der Nähe von Tübingen. Er studierte Kommunikationswissenschaften mit Schwerpunkt PR und Werbung in Wien und arbeitete zuvor drei Jahre lang in einer Eventagentur. Seit September ist er für die Unternehmenskommunikation bei den Polifant Kindertagesstätten zuständig.“

Warum braucht eine Kita jemanden, der für Unternehmenskommunikation zuständig ist?

„Wir sind kein großes Wirtschaftsunternehmen, sondern arbeiten im Non-Profit-Bereich. Da braucht es immer Aufmerksamkeit. Es spielt dabei natürlich eine Rolle, wie groß die Kita ist. Wir sind ein großer Träger mit vier, bald sechs Kindertagesstätten, da ist es einfach nicht mehr machbar, dass die Kommunikation nebenbei läut. Es ist ein Vollzeitjob. Gerade durch die Debatten in der Politik und in der Öff‰entlichkeit ist es wichtig, hier einen Ansprechpartner zu haben. Es geht uns aber auch darum, den pädagogischen Berufen mehr Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit zu schenken und Einblicke zu geben, in das, was hier täglich geleistet wird.Š“

Sie arbeiten seit vergangenem September in der Unternehmenskommunikation bei Polifant. Die Stelle wurde neu geschaffen …

„Richtig, vorher wurde das von den Kollegen und Kolleginnen und der Geschäftsleitung nebenbei erledigt. Es lagen schon viele Ideen in der Schublade und vieles wurde bereits ausgearbeitet, aber nicht umgesetzt. Im Endeff‰ekt lag es daran, dass hier die Zeit oder das Hintergrundwissen fehlte, um diese Ideen zu realisieren. Kurz mal nebenher geht einfach nicht mehr in der heutigen Zeit.Š“

Bekommen Sie viele Anfragen von der Presse zum Thema frühe Bildung?

„Vereinzelt gibt es diese Anfragen, aber eher noch selten. Trotzdem ist es uns ein Anliegen, die Diskussion zu dieser ’Thematik von unserer Seite zu bestücken. Dadurch soll ein anderer Blickwinkel zur Meinung in der Politik und der ’Theorie ermöglicht werden. Wir transportieren wie es tatsächlich bei unseren pädagogischen Fachkräften in der Praxis aussieht. Es ist uns wichtig zu zeigen, was sie täglich leisten.Š“

Wie sieht denn ein Arbeitstag bei Ihnen konkret aus?

„Das ist sehr unterschiedlich. Ich sitze in unserer Verwaltung in Leonberg, bin aber auch viel in unseren Kindertagesstätten unterwegs. Das Erste was ich morgens mache, ist, sämtliche Zeitungen zu durchforsten. Gibt es ’Themen, die uns als Kindertagesstätte betreff‰en, oder Interessantes, auf das wir eingehen sollten? Montags informiere ich mich meist bei den Hausleitungen unserer Kitas, was es Neues gibt oder ob in der Woche besonders spannende Th’emen anstehen. Ich bin wie Karla Kolumna und will immer alles wissen! (lacht) Das heißt, ich beschaff‰e mir Informationen, verarbeite sie und gebe sie über die verschiedenen Kanäle weiter. Das ist eine meiner Hauptaufgaben. Aber auch für die Erstellung von Infobroschüren und Flyern sowie die Organisation von Events und Jobmessen, auf denen wir immer auf der Suche nach neuen pädagogischen Fachkräten sind, bin ich zuständig. Jetzt vor Weihnachten planen wir in Zusammenarbeit mit den Kita-Leitungen die klassischen Weihnachtsaktionen.Š“

Welche Kanäle sind für Sie die wichtigsten, um an die Öentlichkeit zu gehen?

„Ein Schwerpunkt ist die interne Kommunikation. Dazu gehören Newsletter und die geplante Mitarbeiterzeitung. Es geht uns darum, unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu binden, ihnen Gehör zu verschaff‰en und sie vor allem wertzuschätzen. Sie sollen sich bei uns wohlfühlen und wissen: Ihr seid nicht irgendwer. Ihr seid uns wichtig. Bei der externen Kommunikation sind es die klassische Pressearbeit, Social-Media Auftritte und Homepagepflege, die zu den wichtigen Aufgaben gehören. Es geht uns um die Imagepflege von Polifant. Unsere Kunden, die Eltern, überlegen ganz genau, wo sie ihre Kinder unterbringen möchten. Sie informieren sich intensiv – auch im Internet –, welche Kita für ihr Kind am besten geeignet ist. Sie wollen sicher sein, dass ihr Kind gut betreut und geördert wird. Da wir eine gemeinnützige Organisation sind, liegt der dritte Schwerpunkt darin, an Unternehmen und andere Partner heranzutreten, die uns unterstützen. Im Gegensatz zu großen Unternehmen verfügen wir nicht über große Marketingbudgets und müssen deshalb mit dem effzient arbeiten, was uns zur Verügung steht. Wir sind angewiesen auf finanzielle Unterstützung, Spenden und Kooperationen etwa mit Hochschulen, die pädagogische Fachkräfte an uns vermitteln, oder Unternehmen, die Belegplätze bei uns buchen. Das bedeutet, Unternehmen können ihren Mitarbeitenden einen garantierten Kita-Platz für ihre Kinder bei Polifant vermitteln.“

Wie wichtig ist es, durch die Öffentlichkeitsarbeit neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen?

„Jeder weiß, dass ein großer Fachkräftemangel in diesem Berufsfeld herrscht, und auch wir suchen natürlich gut ausgebildete pädagogische Fachkräfte. Diese zu finden, ist nicht einfach. Die Fachkräfte informieren sich sehr genau über ihre zuküntigen Arbeitgeber und fragen sich: Wo gefällt es mir am besten? Mitarbeiterakquise und Mitarbeiterbindung sind deshalb wichtige Punkte in der Unternehmenskommunikation, vielleicht sogar die wichtigsten.Š“

Professionelles Arbeiten in der Kita nach außen darstellen – welchen Stellenwert hat das in Ihrer Arbeit?

„Einen sehr hohen. Wir arbeiten nach fundierten pädagogischen Konzepten. Das hat nichts mit der noch weit verbreiteten Ansicht zu tun, dass wir hier ein reines Kinderunterhaltungsprogramm betreiben. Im Gegenteil, wir leisten wichtige pädagogische Arbeit. Viele Kinder sind zum Teil acht Stunden oder länger am Tag bei uns in den Kitas untergebracht. Dabei setzen wir alles daran, unsere  Aufgaben wahrzunehmen und die Kinder in ihrer frühkindlichen Entwicklung zu begleiten und zu fördern. Unsere pädagogische Konzeption sieht Schwerpunkte beim off‰enen Gruppen, und Raumkonzept, dem situationsorientierten Arbeiten mit den Kindern und auch der Beobachtung nach Bildungs- und Lerngeschichten im Kita-Alltag. Zusätzliche Angebote, wie zum Beispiel das ’Thema gesunde Ernährung oder Fremdsprachen, spielen auch eine wichtige Rolle. Diese werden durch eine eigene Hauswirtschaft und englischsprachige Muttersprachler und Muttersprachlerinnen umgesetzt. In unserer neuen Kita, die wir nächstes Jahr in Stuttgart Bad-Cannstatt eröff‰nen, wird es auch russische Muttersprachler und Muttersprachlerinnen geben.Š“

Wie vermitteln Sie das in der Öffentlichkeit?

„Hauptsächlich durch Aufklärungsarbeit.  Das ist natürlich ein langer Weg. Für uns sind die sozialen Medien sehr wichtig, weil wir dort unsere Zielgruppen erreichen und eine große Reichweite haben. Dort lässt sich kurz und knapp zeigen, was wir tun und wie es bei uns aussieht. Für einen Elternabend wurde ein 10-Minuten-Video erstellt, das die Kinder im Kita-Alltag zeigt. Die eigenen Kinder im Video spielen zu sehen, vermittelt den Bildungsalltag der Kindert viel besser an die Eltern als eine PowerPoint- Präsentation mit Stichpunkten. Das Video transportiert das pädagogische Wirken unserer Fachkräfte viel besser.Š“

Begreifen Sie sich als Fenster in die Einrichtung – auch für  Menschen, die kein Kind in der Kita haben?

„Denitiv. Sogar mehr als ein Fenster – auch ein Sprachrohr. Kommunikation läuft nicht nur in eine Richtung. Wir erhalten auch viel Feedback, etwa von den pädagogischen Fachkräften und Eltern. Im Netz trifft man auf viele Gleichgesinnte, die sich mit der gleichen Th’ematik beschäftigen. Pädagogische Fachkräfte, die in ihrer Freizeit auf Instagram ihre Arbeit vorstellen, Aufkärungsarbeit leisten und dabei großes Engagement zeigen.  Es besteht bereits eine richtige Community, die das moderne Bild von frühkindlicher Bildung in die ։ffentlichkeit trägt. So erreichen wir auch Menschen in der näheren Umgebung ohne Kinder, die erkennen: Hier passiert etwas. Hier wird tolle Arbeit geleistet. Wir wollen jedem vermitteln, was pädagogische Fachkräfte leisten, was hinter diesem Beruf steckt. Unsere Mitarbeitenden leisten Außerordentliches. Wir wünschen uns, dass das auch wertgeschätzt wird.Š“

Mitarbeiter für Unternehmenskommunikation gibt es noch nicht in vielen Kitas – oder?

„Nein, nicht dass ich wüsste. Es ist ein mutiger Schritt meiner Vorgesetzten, jemanden wie mich einzustellen. Das ist natürlich auch ein Kostenfaktor. Aber ich denke, das ist ganz wichtig. Nicht jede Kita benötigt eine eigene Stelle speziell nur über die Unternehmenskommunikation.  Doch ab einer bestimmten Größe ergibt es Sinn, die Aufgaben von einer Nebentätigkeit in eine Vollzeitaktivität umzuwandeln, um in der Öffentlichkeit gehört zu werden.Š“

Bekommen Sie viele Reaktionen auf Ihre Arbeit?

„Die pädagogischen Fachkräfte waren anfangs etwas verwundert, dass hier einer in die Einrichtungen kommt, Bilder macht und neugierige Fragen stellt. Aber die meisten stehen dem sehr aufgeschlossen gegenüber und freuen sich, wenn das, was sie leisten, auch nach außen getragen wird. Da ich noch nicht allzu lange dabei bin, kennen mich noch nicht alle, doch durch das Elternabendvideo habe ich schon einige erreichen können.“

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

„Zum einen suchen wir natürlich Unterstützer und es wäre toll, wenn wir noch viele Unternehmen gewinnen könnten, die mit uns kooperieren und uns auch finanziell unterstützen. Hier profitieren alle Seiten von den Vorteilen. Die Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden im Hinblick auf Vereinbarkeit von Familie und Beruf einen Kita-Platz und wir als Träger können unabhängig vom Familieneinkommen allen Kindern den gleichen Start in die Zukunt bieten. Deshalb wollen wir Polifant natürlich in der ։ffentlichkeit bekannter machen. Zusätzlich möchten wir, dass unsere pädagogischen Fachkräfte wissen: Der Träger sorgt daür, dass wir gehört werden, er nimmt wahr, was wir sagen und was wir leisten und trägt es auch nach außen. Auch zukünftige Fachkräfte sollen wissen, bei Polifant werden sie wertgeschätzt.“

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