Hier ist mein Platz!

Damit im Alltag alles rund läuft, sollten die Mitarbeitenden dort eingesetzt werden, wo sie sich mit ihren Fähigkeiten und Vorlieben einbringen können. Aber wann ist eine Fachkraft an der richtigen Stelle?

Text: Marianne Kokigei, Foto: © gettyimages/simarik

Die Leitung einer Kita sollte das Potenzial einer jeden Fachkraft kennen

Carmen Schneider arbeitet seit einigen Monaten als Leiterin in der Kindertageseinrichtung am Markt in der Stadt Brandenburg. Heute hat sie sich vorgenommen, den Dienstplan für den nächsten Monat zu erstellen. Für sie eine leidige Aufgabe, denn ihr wurde übermittelt: In diesem Team übernimmt niemand gerne den Spätdienst. Um allen Mitarbeitenden diese ungeliebte Aufgabe gleichermaßen zuzumuten, wurde eine Rotation des Spätdienstes vereinbart. Die negativen Auswirkungen dieser Regel fielen Carmen Schneider allerdings sehr schnell auf:

So finden die Kinder nach 15.30 Uhr immer unterschiedliche Erzieherinnen und Erzieher im Spätdienst vor – das führt vor allem bei neuen Kindern zu großer Unsicherheit. Und auch die Eltern sind verunsichert. Denn die Möglichkeit, beim Abholen ins Gespräch zu kommen und die Beziehung zwischen Elternhaus und Kita zu vertiefen, ist nicht gegeben, wenn jeden Tag jemand anderes den Spätdienst übernimmt. Auch für die
pädagogischen Fachkräfte selbst ist diese Lösung nicht befriedigend. Denn: Sie können durch die wechselnden Dienste keine regelmäßigen Nachmittagstermine in ihrer Freizeit wahrnehmen.

Die Leiterin fasst sich ein Herz und hinterfragt diese Gewohnheit in Einzelgesprächen – mit dem Ergebnis, dass zwei Erzieherinnen gerne den Spätdienst übernehmen. Ein großer Gewinn für alle: Die Kinder wissen, wer sie am Morgen begrüßt und wer am Nachmittag für sie da ist. Das gibt ihnen Sicherheit. Das gilt auch
für die Eltern. Sie wissen, wer am Nachmittag da sein wird. Und auch für die Erzieherinnen und Erzieher
liegt der Vorteil auf der Hand: Die Planbarkeit ihrer Arbeitszeiten erleichtert den Erzieherinnen und Erziehern, eigenen Interessen nachzugehen und den familiären Anforderungen nachzukommen. Nachdem
Carmen Schneider den Dienstplan im Interesse aller verändern konnte, nimmt sie sich vor, die Zuständigkeiten im Team ebenfalls zu überprüfen, ob sie entsprechend der jeweiligen Fähigkeiten der Erzieherinnen verabredet wurden.

Auf einer Dienstbesprechung steht der Punkt „Verantwortlichkeiten verteilen“ auf der Tagesordnung.  Carmen Schneider spricht an, dass es immer wieder Konflikte gibt, weil Räume unordentlich hinterlassen werden und keiner sich fürs Aufräumen und Auffüllen von Materialien zuständig fühlt. Zwei Räume sind das größte Ärgernis: der Bauraum und der Theater- und Rollenspielraum. Das Chaos an diesen beiden Orten führt regelmäßig dazu, dass die Kinder sich gegenseitig stören oder rumtoben. Nach längerer Diskussion finden sich Zuständige, die die Verantwortung übernehmen.

Die Planung und Umsetzung von pädagogischen Aufgaben effektiv und effizient zu steuern, rückt als Leitungsaufgabe immer stärker in den Vordergrund, das heißt: Angestrebte Ziele sollen mit möglichst geringem Aufwand erreicht werden. Dabei ist es wichtig, die Anforderungen an die pädagogische Arbeit mit den vorhandenen Fähigkeiten im Team in Einklang zu bringen, die Aufgaben entsprechend zu verteilen und die Kompetenzen zu nutzen. Am richtigen Platz sein, eigene Fähigkeiten, Vorlieben und Interessen einbringen können, das trägt immens zum Erfolg der Arbeit bei – und zur eigenen Arbeitszufriedenheit.

Den richtigen Platz der Mitarbeitenden im Team bestimmen und ihre Fähigkeiten bei der Arbeitsteilung
nutzen, kann für die Leiterin oder den Leiter einer Kindertageseinrichtung bedeuten:

  1. Ich kenne die Anforderungen, die an die Fachkräfte durch die Gesetze und die Bildungspläne gestellt sind.
  2. Ich weiß, welche Kompetenzen im Team vorhanden sind.
  3. Ich nutze meine Möglichkeiten als Leitung, Fähigkeitsschätze im Team zu heben und sie im Interesse der Kinder einzusetzen.

Wann sind die Mitarbeitenden am richtigen Platz?

Es ist gar nicht so einfach, den passenden Platz für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Die
Frage, die sich dabei stellt, ist folgende: Was macht ihn überhaupt aus, den richtigen Platz? Wichtig ist, dass die pädagogischen Fachkräfte ihre Fähigkeiten und Interessen kennen und die übernommenen Aufgaben weitgehend mit diesen übereinstimmen. An der passenden Stelle eingesetzt, werden die Mitarbeitenden erfolgreich arbeiten, also den pädagogischen Anforderungen genügen und Vereinbarungen umsetzen. Außerdem zeigt sich, dass die Fachkräfte am rechten Platz sind, wenn sie zuversichtlich neue Aufgaben übernehmen und es sich für sie lohnt, Herausforderungen anzunehmen – weil am Ende Erfolg, Zufriedenheit und Kompetenzzuwachs stehen. Wenn dann noch alle Fachkräfte gern zur Arbeit kommen und jedem Kind und seiner Familie zugewandt und auf Augenhöhe begegnen, haben Leiterin oder Leiter viel richtig gemacht.

Wie lassen sich die Potenziale der Mitarbeitenden entdecken?

Um sowohl Kindern als auch Eltern sowie Kolleginnen und Kollegen gerecht zu werden, sollte die Leitung
das Potenzial jedes einzelnen Mitarbeiters kennen. Aber wie kann das gelingen? Meiner Erfahrung nach ist
es sinnvoll, den Alltag der pädagogischen Fachkräfte als Leitung für eine bestimmte Zeit zu begleiten. Dabei sollten folgende Fragen den Blick auf die Ressourcen und vielleicht noch verborgene Potenziale lenken.

  1. Bei welchen Themen, Tätigkeiten oder Aufgaben sind die Fachkräfte besonders engagiert?
  2. Wo reißen sie die Kinder mit?
  3. Wo stecken sie die Kinder mit ihrer Neugier an? Wo wecken sie deren Interesse?
  4. Zu welchem Bildungsbereich haben sie besonderen Zugang?
  5. Wie gestalten sie das Umfeld innerhalb der Kita für die Kinder?
  6. Welche besonderen Fähigkeiten und Interessen wurden für Sie als Leitung bereits sichtbar?

Nachdem die Leitung den Alltag ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erlebt hat, ist es wichtig, mit ihnen Gespräche zu führen. Diese Gespräche dienen vor allem dem Ziel, gemeinsam ein individuelles Kompetenzprofil zu erstellen. Hier können diese Fragen sinnvoll sein:

  1. Welche Aufgaben übernimmst du gerne?
  2. Was liegt dir besonders?
  3. Welche Aufgaben oder Tätigkeiten machen dir in der Begleitung der Kinder besonderen Spaß?
  4. Was möchtest du gerne lernen?Was würdest du gerne besser können?
  5. Welche Situationen oder auch Aufgaben fürchtest du? Was vermeidest du daher im Alltag?
  6. Wenn du für dich einen Platz frei gestalten könntest: Wie würde dieser Platz aussehen? Und was würdest du da tun?
  7. Wie siehst du denn deine Rolle im Team?

Nach Auswertung der Beobachtungen und des Gesprächs gilt es, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Rückmeldung zu geben. Dabei sollte die Leitung der Fachkraft mitteilen, was ihre Beobachtungen waren, wo die Fähigkeiten der Fachkraft sind und wo sie sich ihren Platz im Team vorstellt. Weiter sollte darüber gesprochen werden, ob die Fachkraft glaubt, dass die Aufgaben im Team sinnvoll verteilt sind und die Fähigkeiten angemessen berücksichtigt werden.

Selbstbewusstes Wissen statt falscher Bescheidenheit

Einzelgespräche mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind wichtig. Aber auch mit dem gesamten
Team sollte über die folgenden Themen gesprochen werden:

  1. Wie sieht das Kompetenzprofil eines jeden im Team aus?
  2. Was wird bereits effektiv und zufriedenstellend genutzt?
  3. Welche Fähigkeiten und welche Interessen fehlen in unserem Team?
  4. Was könnte oder sollte sich denn ändern?

Die gemeinsame Reflexion, der transparente Umgang mit den Fähigkeiten und Veränderungsvorschlägen ermöglicht jeder Erzieherin und jedem Erzieher, den richtigen Platz im Team zu finden. Der offene Umgang mit Stärken verdeutlicht die Vielfalt im Team und verhindert unangemessene Gleichmacherei. So kann jedes Teammitglied mit seinen Fähigkeiten, Vorlieben und Interessen wachsen, an Kompetenzen gewinnen und damit wie nebenbei die sogenannte Schwächen verringern. Steht der offene Umgang mit
Schwächen oder Unzulänglichkeiten unter dem Motto der Fehlerfreundlichkeit, ermöglicht dies Rücksichtnahme untereinander, ohne die Anforderung nach Weiterentwicklung zu vernachlässigen. Das Benennen von individuellen Wünschen, Bedürfnissen und Interessen wird leichter Teil der Teamkultur, wenn jede ihren Platz gefunden hat. Falsche Bescheidenheit und unangemessene Rücksichtnahme weichen dem selbstbewussten Wissen um die eigenen Fähigkeiten, denn: Wenn ich nicht sage, was ich will, muss ich nehmen, was ich kriege!

Und wie soll ich das als Leitung schaffen?

Was für die pädagogischen Fachkräfte den Kindern gegenüber gilt – der positive, ressourcenorientierte Blick auf jedes Kind –, gilt für die Leitung den Mitarbeitenden gegenüber: die Stärken eines jedes Teammitglieds im Fokus behalten und das halb volle Glas sehen. Und auch für Sie als Leiterin oder Leiter gilt: Bleiben Sie sich selbst gegenüber fehlerfreundlich. Wenn Sie den pädagogischen Prozess in Ihrer Einrichtung steuern, lassen sich Fehler oder Sackgassen nicht vermeiden. Das kann und wird immer wieder passieren. Sehen Sie sich das nach. Wichtiger als der Fehler ist das, was Sie und Ihr Team für das nächste Mal daraus lernen. Um den richtigen Platz für jede pädagogische Fachkraft im Team zu finden, brauchen Sie Mut und Klarheit, Ihre Einschätzungen mitzuteilen, sowie die Kraft, etwa Betroffenheit und Enttäuschungen von Teammitgliedern auszuhalten. Und nicht zuletzt brauchen Sie Geduld, um mit jeder Mitarbeiterin und jedem Mitarbeiter den passenden Platz im Team zu finden.

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